Washington/Wien. Ist es ein Weihnachts-Gag oder meint es Präsident Donald Trump ernst mit seiner Ankündigung, die 2000 in Syrien stationierten GIs heimholen zu wollen? Der überraschend formulierte Vorstoß hat jedenfalls viele vor den Kopf gestoßen, allen voran einflussreiche Republikaner. Senatoren und Abgeordnete warnen, von einem vernichteten Sieg über den sogenannten Islamischen Staat (IS) könne - anders als von Trump behauptet - nicht die Rede sein. Der Schritt sei ein "schwerer Fehler", heißt es hier, der unter anderem die Sicherheit der USA bedrohe. Denn wenn es eine Lehre aus 9/11 gebe, dann die, dass der Terrorismus an Ort und Stelle bekämpft werden müsse und nicht erst dann, wenn er die USA erreicht habe.

Einsame Entscheidung des US-Präsidenten

Glaubt man dem Fernsehsender CNN, ist die Entscheidung, ganz nach Trump-Art, gefallen, ohne dass Außenminister Mike Pompeo oder Verteidigungsminister James Mattis einbezogen worden wären. Die betroffenen Stellen im Pentagon und im US-Außenministerium wussten nichts von einem Abzug - geahnt haben sie es sehr wohl. Schließlich gab es im Vorfeld intensive Versuche, Trump die Idee auszureden. Dazu kommt, dass Trump schon im US-Wahlkampf angekündigt hatte, die "troops" aus Syrien heimholen zu wollen.

"Wir haben gegen den IS gewonnen", so Trump "nun ist es Zeit für unsere Soldaten, nach Hause zu kommen." Einen Tag später widersprach er seiner Einschätzung, indem er meinte, dass nun eben andere Nationen den IS bekämpfen müssten.

Trump hat, was er braucht: Eine Erfolgsmeldung kurz vor Weihnachten, dazu ein schönes Geschenk für die Angehörigen der US-Soldaten, die ihre Lieben bald zu Hause begrüßen können. Und wie die "New York Times" richtig bemerkt, ist der Abzug die konsequente Fortführung der Politik von Trumps Amtsvorgänger Barack Obama. Der war mit dem Ziel angetreten, die US-Soldaten aus dem Irak und aus Afghanistan heimzuholen, zwei Länder, in die man im Zuge des Kampfes gegen den Terror einmarschiert war und wo man sich eine blutige Nase geholt hatte.

"Wir sind nicht der Polizist
des Nahen Ostens"

Der von Ex-Präsident George W. Bush beschworene "Kampf gegen den Terror" zieht bei den US-Amerikanern nicht mehr, das hat Trump mit seinem Gespür für die Stimmung in den USA erkannt. Die meisten Amerikaner haben genug, zumal die Lage in Afghanistan verheerender denn je ist. Die Taliban konnten nicht besiegt werden, von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten ist dort keine Rede. Man ist es leid, sich in Kriegen der anderen zu engagieren.