Washington. Seit dem Amtsantritt Donald Trumps als Präsident sind die US-amerikanischen Bürgerinnen und Bürger so einiges gewohnt; aber was sich dieses Wochenende abspielte, verlieh der vom Weißen Haus täglich neu inszenierten Polit-Reality-TV-Show gleich in mehrerer Hinsicht eine neue Qualität.

Zuerst gab Trump bekannt, dass es mit dem "Government Shutdown", der Schließung von Teilen der Bundesregierung, nach 35 Tagen vorbei sei. Nicht, weil er sich mit seiner Forderung nach 5,7 Milliarden Dollar für den Bau einer Mauer zu Mexiko durchgesetzt hatte, sondern weil selbst seine größten Sykophanten in der Administration anerkennen mussten, dass mit Fortdauer des Stillstands die Gefahr schier zu groß geworden war, das Land ins Chaos zu stürzen. Nachdem Ökonomen im Fall einer längeren Fortsetzung des Shutdowns ein Schrumpfen des Wirtschaftswachstums prophezeiten und in New York wegen des krisenbedingten Personalmangels sogar der wichtige Inlandsflughafen LaGuardia kurzfristig zusperrte, war Schluss mit lustig.

Der US-Präsident blickt schwierigen Zeiten entgegen. - © afp/Smialowski
Der US-Präsident blickt schwierigen Zeiten entgegen. - © afp/Smialowski

In den nächsten drei Wochen sollen jetzt Trumps Parteifreunde, die Republikaner, als auch die Demokraten einen Kompromiss finden, der ihn zufriedenstellt. Von den Medien wurde das Einlenken Trumps als Sieg für seine Widersacherin Nancy Pelosi gewertet, der Sprecherin der demokratischen Mehrheit im Unterhaus. Selbst aus ungewohnter Ecke bekam die 78-jährige Pelosi indirekt Anerkennung. Die rechte Bestsellerautorin Ann Coulter, die den Präsidenten, den sie bisher praktisch ohne Wenn und Aber unterstützt hatte, nannte ihn den "größten Feigling seit George W. Bush". Andere ultrarechte Fans wie der Radiomoderator Rush Limbaugh haben die Hoffnung auf die Mauer indes noch nicht aufgegeben ("Wir werden sehen, was noch kommt").

Trump wirft mit dubiosen Zahlen um sich

Der US-Präsident selbst nährte die Hoffnung des rechten Rands, dass die Schlacht verloren, aber der Krieg noch nicht vorbei sei, mit mehreren Tweet-Salven. Kostprobe: "Es ist noch nicht mal Februar und die Kosten für illegale Immigration liegen bei 18.959.495.168 Dollar (...) Es gibt mindestens 25.772.342 illegale Immigranten, nicht die 11.000.000, über die seit Jahren berichtet wird." Auch wenn Trump als Quelle für diese sehr konkret anmutenden Zahlen das Department of Homeland Security angab, konnte man sie weder dort noch sonstwo bestätigen.