Rotterdam. Ohne Zweifel ist es eine schwerwiegende Einschränkung der kommerziellen Schifffahrt, wenn diese zwischen die Frontlinien politischer Spannungen gerät. Die "friedliche Durchfahrt" ist nicht umsonst eins der Kernelemente internationalen Seerechts. Geradezu dramatisch erscheint diese Situation, wenn es sich um einen beunruhigenden Konflikt mit noch unklaren Dimensionen handelt, der noch dazu an einem äußerst sensiblen Knotenpunkt des globalen Handels stattfindet. Als dessen Schlagader wird die Straße von Hormus, zuletzt Schauplatz mehrerer Angriff auf Öl-Tanker, nicht selten bezeichnet.

Die Meerenge, an der schmalsten Stelle kaum 40 Kilometer breit, ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit dem von Oman und damit Arabischem Meer sowie Indischem Ozean. Die nördliche Küste gehört zum Iran, im Süden liegt die omanische Exklave Musandam.

Die Breite der Fahrrinnen betragen jeweils nur drei Kilometer. Im Kontrast dazu steht die zentrale Bedeutung der Straße: die Opec-Mitglieder Saudi-Arabien, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait und Irak exportieren hier 90 Prozent ihres Rohöls. Katar, der weltgrößte Exporteur von Flüssiggas (LNG), verschifft dies auf dem gleichen Weg. Mit rund 17,4 Millionen Barrel täglich passieren knapp 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls die von unwirtlichen Felsküsten gesäumte Meerenge. Das entspricht einer Verbrauchsmenge von 100 Millionen Barrel.

Enormes Verkehrsaufkommen

Vom iranischen Hafen Shahid Rajaee gibt es Verbindungen in mehr als 80 Häfen weltweit. Die Straße von Hormus ist unangefochten die weltweit wichtigste Seeverbindung für den Ölhandel, und die einzige für die Golf-Anrainer. Ein Blick auf die Alternativen via Landweg erschließt ihre Bedeutung: Eine saudische Pipeline zum Roten Meer hat eine Tages- Kapazität von fünf Millionen Barrel, eine andere in Abu Dhabi bringt es auf anderthalb Millionen.

Es überrascht somit nicht, dass vor allem Öl-Tanker die Meerenge durchfahren - und ebensowenig, dass sich jederzeit mehrere Dutzend von ihnen dort befinden. Wer ihre Bewegungen auf professionellen Webseiten wie marinetraffic.com oder vesselfinder.com verfolgt, dem kann im ersten Moment leicht schummerig vor Augen werden anhand der Vielzahl an bunten Punkten, welche die aktuellen Positionen der Schiffe kennzeichnen. Eine Analyse im Laufe dieser Woche ergibt, dass die Tanker in diesem Zeitraum vor allem unter den Flaggen Panamas, Liberias oder Hongkongs fuhren. Auch Singapur und die Marshall-Inseln waren mehrfach vertreten, wie auch der Iran und Indien.