Dschibuti/Wien. Die Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, allen voran Saudi-Arabien, die Türkei und der Iran, investieren Milliarden US-Dollar in Subsahara-Afrika. Sie bauen Häfen und Militärbasen, Krankenhäuser, Schulen und Moscheen.

Dabei nutzen diese Länder oft Beziehungen und Kontakte, die schon seit Jahrzehnten bestehen, wie Jens Heibach vom Giga Institut für Nahost-Studien in Hamburg feststellt. Der Iran hat seit der "Islamischen Revolution" von 1979 und den darauf folgenden Sanktionen seine Beziehungen zu afrikanischen Staaten wie Südafrika intensiviert. Die Türkei erschließt seit den 1990ern und verstärkt seit der Machtübernahme durch die AKP im Jahr 2002 Absatzmärkte in Subsahara-Afrika.

Saudi-Arabien setzt seit dem arabisch-israelischen Krieg von 1967 auf gute Beziehungen zu Afrika, zunächst um Israel zu isolieren. Absatzmärkte spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. "Es geht aber auch um Bündnispartner, die man für die Durchsetzung politischer Ziele in Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie auf internationaler Ebene braucht", so Heibach. Und es gehe um Ressourcen, von Rohstoffen bis zu Nahrungsmitteln.

Königreich ohne Ackerland

Nahrungsmittelsicherheit spielt vor allem für Saudi-Arabien eine wichtige Rolle. Denn Ackerland und Wasser sind knapp im Wüstenstaat. Und das, obwohl Saudi-Arabien der größte Produzent von aufbereitetem Meerwasser ist. Seit Jahren setzt das Königreich daher bei Feigen, Trauben, Alfalfa, Gemüse und Zitrusfrüchten auf ökologische, wassersparende Landwirtschaft. War Saudi-Arabien bis vor zehn Jahren noch ein führender Exporteur von Weizen, wird heute der Großteil des Weizens importiert. Zu wasserintensiv ist der Anbau des Getreides. Trotzdem verbraucht Saudi-Arabien laut einem aktuellen UN-Bericht mehr als 82 Prozent des verfügbaren Wassers für Bewässerung und Tierhaltung (in vollklimatisierten Ställen werden zehntausende Kühe gehalten).

2013 musste der Staat 80 Prozent der benötigten Nahrungsmittel importieren. Darunter Gerste, Weizen, Reis, Hühner und Schafe. Und die Bevölkerung wächst; glaubt man den Statistiken, von aktuell 34 Millionen auf 46 Millionen im Jahr 2050. "Brot-Aufstände" seien in der arabischen Welt keine Seltenheit, so Heibach. Insofern wisse man in Riad um die Bedeutung von Nahrungsmittelsicherheit. "Riad hat lange versucht, ein gewisses Grad an Autarkie in diesem Bereich zu erreichen, was nicht gelang angesichts der klimatischen Bedingungen und des damit einhergehenden hohen Wasserverbrauchs." Die Monarchie lagert daher einen Teil der Produktion landwirtschaftlicher Güter aus: Saudische Firmen bauen Reis auf den Philippinen an, betreiben Rinderfarmen in Kalifornien und Weizenfelder in der Ukraine.