Während sich türkische Soldaten und kurdische Kämpfer in Nordsyrien heftige Kämpfe liefern, werden die Weichen für die Zukunft des Bürgerkriegslandes gestellt. Denn der türkische Einmarsch ruft jetzt die syrische Armee auf den Plan, die den Kurden zu Hilfe kommt. Der alte syrisch-türkische Konflikt flammt damit wieder auf, die Lage in dem ausgebluteten Land wird noch unübersichtlicher. Die USA ziehen ihre Soldaten komplett aus der Region ab, um nicht zwischen die Fronten zu kommen, wie es heißt. Die Appelle Deutschlands, die USA sollten ihr militärisches Engagement nicht aufgeben, wirkten einigermaßen hilflos. US-Präsident Donald Trump hat durch seine Entscheidung, die rund 1000 GIs bis auf den letzten Mann abzuziehen, den türkischen Einmarsch ermöglicht.

Die Koalition im Kampf gegen den IS ist durch den US-Abzug jedenfalls massiv geschwächt. Die französischen Truppen in der Region etwa sind auf die logistische Unterstützung der USA angewiesen. Nun ist bereits die Rede davon, dass auch Frankreich seine Soldaten abziehen muss. Die deutsche Bundeswehr will den Einsatz ihrer Tornado-Aufklärer unverändert weiterführen. Ein deutscher Offizier soll sicherstellen, dass das türkische Militär keine Luftaufnahmen des Kurdengebiets erhält.

Assad schickt Soldaten

Der syrische Machthaber Bashar al-Assad, der den Rest des Landes bis auf die Provinz Idlib bereits kontrolliert, schickt nun seine Truppen Richtung Norden. Assad und die Kurden wollen nun Schulter an Schulter gegen die Türkei vorgehen. Man werde sich der "türkischen Aggression entgegenstellen", heißt es dazu in der syrischen Hauptstadt.

Für die Kurden ist der Pakt mit dem Despoten ein schmerzhafter Kompromiss. Assad bekommt nun Zugriff auf kurdisches Territorium, die Minderheit wird die Pläne einer umfassenden Autonomie unter Umständen begraben müssen. "Wir stehen den türkischen Messern mit nackter Brust entgegen", formulierte es ein kurdischer Kommandant in einem Beitrag für das US-Magazin "Foreign Policy". Die Zusammenarbeit mit Assad und Russland erfolge erzwungener Maßen.

Durch diesen Pakt der Kurden mit Damaskus und Moskau entsteht eine brandgefährliche Situation. Nachdem bereits US-Soldaten unter türkischen Beschuss gekommen sind, steigt nun die Gefahr eines militärischen Zusammenstoßes zwischen der Türkei und Syrien. Syrische Soldaten sind in Tel Tamer, Tabka und Ain Issa eingerückt. An der Seite der syrischen Einheiten befindet sich auch russisches Militär. Im Kreml hieß es deshalb am Montag, man wolle gar nicht in Betracht ziehen was geschähe, wenn russische und türkische Soldaten aneinandergerieten.