2016 haben sie mich entführt und mir vorgeworfen, mit Saudi-Arabien in Kontakt zu stehen. Ich erklärte ihnen, dass ich für die Menschen da bin und politisch keine Rolle spiele. Jetzt lassen sie mich in Ruhe arbeiten. Ich will nur Zugang zu den Dörfern, um den Menschen zu helfen. Das ist möglich, weil klar ist, dass ich Nahrung, Medikamente und sauberes Wasser bringe.

Sie sind nach dem Ausbruch des Krieges geblieben, Ihr Mann floh mit Ihren Kindern nach Jordanien. Wie schaffen Sie das alles?

Meine ganze Familie ist geflohen, aber ich habe es nicht übers Herz gebracht, die Menschen allein zu lassen, die meine Hilfe brauchen. In Hodeydah hat es bis zu 50 Grad und es gibt oft keinen Strom. Mein Mann hat ein Herzleiden, er musste operiert werden und war von Maschinen abhängig, das war kein Zustand für ihn. Seit dem Beginn des Krieges 2015 wird es immer schlimmer. Viele sehen kein Ende und die Hilfe versiegt. Ich machte weiter, sammelte Geld von meiner Familie, Freunden und Privatpersonen.

Mitunter können Sie nicht helfen, weil Medikamente oder Ausrüstung fehlen. Es ist ein vergessener Krieg. Fühlen Sie sich im Stich gelassen?

Ja. Seit Wochen wütet hier das Dengue-Fieber. Haben Sie davon im Fernsehen erfahren? Nein! Seit 2016 habe ich meine Privatklinik, über die ich Milchpulver für unterernährte Babys verteile. Manche Spitäler schicken betroffene Familien in meine Klinik, weil sie selbst keine Milch haben. Jeden Donnerstag bringe ich bis zu 250 Kindern Nahrungsmittel. Fehlt dafür das Geld, versuche ich, es aus meiner eigenen Tasche zu bezahlen. Ohne die Milch sterben diese Kinder. Sie können nicht drei Wochen warten. Sie sind nur noch Haut und Knochen.

Wie hat sich die Situation heuer verändert?

In den vergangenen Wochen gab es immer wieder Luftschläge auf den Hafen. Meine Fenster zerbarsten, ich wohne nicht weit weg. Der Konflikt ist zum Krieg zwischen den Houthis und der Regierung geworden. In Hodeydah gibt es jeden Tag Bomben.

Zuletzt gab es Gespräche zwischen den Houthi-Rebellen und Saudi-Arabien, ein Gefangenenaustausch fand statt. Gibt Ihnen das Hoffnung auf ein Ende des Krieges?

Viele Kriegstreiber wollen kein Ende, weil sie vom Krieg profitieren. Jene, die darunter leiden, haben nichts zu sagen. Ich habe wenig Hoffnung.

Haben Sie Forderungen an die Regierungen in Europa?

Ja. Die Menschen im Jemen sehen und respektieren die Rolle Europas. Europas Rolle ist es, den Frieden zu fördern, diese Rolle wird stärker werden und jene der UN noch übertreffen. Das hoffen wir und das wünschen wir uns.