Das Coronavirus wütet und gibt Regierungen enorme Möglichkeiten, das tägliche Leben ihrer Bürger zu kontrollieren. Die Verantwortlichen schöpfen ihre neue Machtfülle aus, sehen sich aber gleichzeitig mit neuen Anfechtungen konfrontiert. So hat der Internationale Währungsfonds (IWF) nicht umsonst vor dem Ausbruch sozialer Unruhen gewarnt. Zu Protesten könnte es dann kommen, so der IWF, wenn die Maßnahmen als unzureichend empfunden würden. Oder wenn der Eindruck entstünde, dass die staatlichen Corona-Hilfen einseitig den Unternehmen zugutekämen.

Die Mächtigen dieser Welt reagieren unterschiedlich auf diese Herausforderungen. Viele setzen auf eine Strategie der Deeskalation, um die Lage zu entschärfen. In Ländern der Dritten Welt hingegen wird fallweise zu nackter Gewalt gegriffen. Zuletzt sah sich allerdings niemand Geringerer als US-Präsident Donald Trump mit einer Rebellion konfrontiert. Der Republikaner ist voll im Wahlkampf-Modus - er strebt eine Wiederwahl ins Weiße Haus an.

Nicht zuletzt deshalb will Trump für sich beanspruchen, die Lähmung des Landes beendet und die Wirtschaft wieder hochgefahren zu haben. Der Republikaner reklamierte also kurzerhand die "allumfassende Macht" in diesem Bereich für sich. Die Gouverneure, die bis dahin kaum Unterstützung von ihrem Präsidenten erhalten hatten, stellten sich gegen Trump. Der sprach von einer Situation, die ihn an den Film "Meuterei auf der Bounty" erinnere. Eine "gute, altmodische Meuterei ab und an" sei "aufregend und belebend anzuschauen", twitterte der US-Präsident. Mittlerweile musste er zurückrudern und den Bundesstaaten weitreichende Kompetenzen zugestehen.

Ungehorsam auf hoher See

Wobei es kein Zufall ist, dass traditionell gerade auf Schiffen gemeutert wird. Es gibt kaum einen anderen Ort, wo so viele Menschen auf engstem Raum über Monate zusammengepfercht sind. In Zeiten der Angst vor Corona ein fataler Umstand. Nicht umsonst gelten deshalb auf hoher See besonders strenge Verhaltensregeln. In der Vergangenheit wurden Matrosen auch wegen kleiner Verfehlungen ausgepeitscht, mit einem Strick unter dem Schiff hindurchgezogen ("Kielholen") oder in Ketten gelegt. Die Disziplin musste um jeden Preis aufrechterhalten werden, stets lag die Gefahr einer Revolte in der Luft - heute wie damals.

So kam es jetzt auf dem Flugzeugträger "USS Theodore Roosevelt" zu überraschenden Akten des Ungehorsams. Hier war es keineswegs die Mannschaft, die meuterte, sondern der Kapitän, Brett Crozier, legte sich mit der Militärverwaltung an. Der erfahrene Seemann hatte Ende März angesichts dutzender Coronavirus-Infektionen auf seinem Schiff Alarm geschlagen und auf eine weitgehende Evakuierung des Kriegsschiffes gedrängt. Daraufhin wurde er wegen "Panikmache" seines Postens enthoben. Ein Schritt, den der zuständige US-Marine-Staatssekretär Thomas Modly politisch nicht überlebte. Er musste zurücktreten, nachdem er Crozier als "womöglich dumm" bezeichnet hatte. Der streitbare Kapitän genießt bei seiner Mannschaft mittlerweile Heldenstatus.

Zu Aufständen und Revolten kommt es derzeit überall dort, wo Menschen auf eine Weise in die Enge getrieben werden, dass sie nichts mehr zu verlieren haben. Das ist der Fall in zahlreichen Haftanstalten in Südamerika und Asien. Dort fühlen sich die Insassen dem Virus schutzlos preisgegeben, jeder Covid-19-Todesfall sorgt für Panik. Die Regierungen - auch die österreichische - reagieren und sorgen dafür, dass die Gefängnisse geleert werden. So wird der Haftantritt zahlreicher Verurteilter zeitlich nach hinten verschoben. In Kolumbien etwa hat die Regierung ein Dekret erlassen, wonach besonders gefährdete Menschen über 60, Kranke, Schwangere und Frauen mit Kindern vorzeitig entlassen werden. Davor war es in zahlreichen südamerikanischen Gefängnissen zu Rebellionen und Fluchtversuchen gekommen. Auch in der Türkei werden Häftlinge entlassen - die Amnestie gilt allerdings nicht für jene, die wegen Regimekritik hinter Gittern sind.

Mit Militär gegen Bürger

Diese Strategie der Deeskalation wird allerdings nicht von allen Regierungen verfolgt. Im südafrikanischen Kapstadt etwa ist die Polizei am Dienstag mit Gummigeschossen und Tränengas gegen Bewohner von Armenvierteln vorgegangen. Diese hatten gegen einen schlechten Zugang zu Lebensmittelhilfen protestiert.

In Nigeria haben Sicherheitskräfte 18 Menschen getötet, weil sich diese angeblich nicht an die verhängte Ausgangssperre gehalten hätten. Auch der philippinische Präsident Rodrigo Duterte drohte Bürgern, die sich nicht an die Regeln halten, mit dem Einsatz des Militärs. Und stellte Verhältnisse wie bei Verhängung des Kriegsrechts in Aussicht.