Keine zwei Wochen mehr, dann ist Donald Trump als US-Präsident Geschichte, zumindest vorerst. Der Ausschluss einer Wiederkandidatur 2024 wird wohl selbst nach dem Entsetzen, das der von Trump befeuerte Sturm auf das Kapitol in Washington ausgelöst hat, weiter auf sich warten lassen, so er überhaupt je kommen wird. Definitiv verhindert könnte ein neues Antreten in vier Jahren wohl nur dann werden, wenn die Demokraten ihre zuletzt immer intensiver diskutierten Pläne für ein zweites Impeachmentverfahren in die Tat umsetzen und auch die Mehrheit der Senatoren einer Amtsenthebung zustimmt.

In Teilen der Partei genießt Trump aber selbst angesichts der Chaostage in Washington breite Unterstützung. So hatten am Donnerstag nicht weniger als 138 republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus gegen eine Zertifizierung des Wahlsieges von Joe Biden gestimmt, viele davon wohl auch aus Angst davor, dass sie von Trump als Verräter gebrandmarkt werden könnten. Denn den harten Kern der derzeitigen Parteibasis dürfte der 74-Jährige nach wie vor wie kein zweiter Republikaner mobilisieren können. Damit dürfte Trump schon bei den Midterm-Elections in zwei Jahren mit einem Daumen hoch oder runter über den Wahlerfolg eines republikanischen Kandidaten bei der parteiinternen Vorwahl entscheiden.

Kaum konkrete Pläne

Was die Zukunft angeht, muss sich Trump zumindest finanziell keinerlei Sorgen machen. Allein seit der Wahl haben sich in zwei von ihm gegründeten Super-Pacs (Political Action Committees), über die er mehr oder minder frei verfügen kann, 250 Millionen Dollar angesammelt. Der Großteil stammt von Kleinspendern, denen der Präsident versprach, das Geld für die "Bekämpfung des Wahlbetrugs" zu verwenden.

Was der Ex-Reality-TV-Star, der zuletzt auch persönlich eine geordnete Amtsübergabe an Biden zugesichert hat, wirklich mit diesen enormen finanziellen Mitteln macht, bleibt de facto ihm allein überlassen. Das Republican National Committee (RNC) unter dem Vorsitz seiner Wunschkandidatin Ronna McDaniel hat diesbezüglich keine Einwände. Die "Golden Goose", wie sich Trump in der Vergangenheit mitunter selbst genannt hat, nachhaltig zu verprellen, das kann sich die Partei wohl auch in Zukunft nicht leisten.

Weil selbiges folgerichtig auch für die Mitglieder seiner Familie gilt, wird in US-Medien zunehmend über deren künftige Rollen spekuliert. Mit Ausnahme von Melania Trump, die übereinstimmenden Berichten nach heilfroh ist, die Rolle als First Lady hinter sich zu lassen, gibt es praktisch kein Mitglied des Clans, der oder dem nicht Ambitionen auf eine politische Zukunft nachgesagt werden.

Konkrete Pläne gibt es indes derzeit noch fast keine. Die einzigen zwei, die in den vergangenen vier Jahren eine offizielle Funktion im Weißen Haus innehatten, waren Trumps Tochter Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner. Während Ivankas Rolle als "Beraterin" des Präsidenten und als "Direktorin des Büros für ökonomische Initiativen und Unternehmertum" vor allem darin bestand, sich zu ausgewählten Anlässen an der Seite ihres Vaters zu zeigen, fiel ihr Mann zuvorderst durch seine außenpolitischen Engagements auf. Letztere mündeten in der Aufnahme diplomatischer Beziehungen von Israel mit Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Sudan und Marokko.

Die Tatsache, dass Kushner und seine Familie von seinem Job finanziell profitierten, ist derzeit Gegenstand einer Untersuchung durch den Senat. 2019 hatte die von Katar und den Emiraten finanzierte Investment-Firma Brookfield Asset Management für 99 Jahre die Pacht für einen New Yorker Luxus-Wolkenkratzer übernommen, der bis dahin hohe Verluste geschrieben hatte.

"Nicht schärfstes Werkzeug"

Kushners Frau Ivanka will dem Vernehmen nach derweil unbedingt zurück nach New York, um sich um die Wiederauferstehung ihrer bis zur Einstellung 2018 skandalgeplagten Modelinie zu kümmern. Unter anderem hatten manche der unter ihrem Namen verkauften Produkte, fast alle in China hergestellt, nicht einmal minimalsten Sicherheitsstandards entsprochen und mussten vom Markt genommen werden.

Nachdem ihr Schwiegervater, Charles Kushner, einst vom nunmehrigen Trump-Freund Chris Christie in dessen damaliger Funktion als Ankläger zu zwei Jahren Bundesgefängnis verurteilter Verbrecher, Ende vergangenen Jahres in den Genuss einer Begnadigung durch den Präsidenten kam, wird er sich wahrscheinlich wie vorher mit seinem Sohn im Immobilien-Geschäft umtun.

Eric Trump, der jüngste Sohn, zeigt bisher ebenfalls keine Anstalten, sich zugunsten einer Politkarriere aus seinem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Nämliches besteht aus dem Management der "Trump Organization", die sein Vater widerwillig abgab, als er 2017 ins Weiße Haus einzog. Von Donald Trumps eigenen Kindern wird ein Einstieg in die Parteipolitik am allermeisten Donald junior zugetraut, einem leidenschaftlichen Großwildjäger und Fliegenfischer, der sich aus dem Familienunternehmen weitgehend zurückgezogen hat, um regelmäßig in den Medien als Fürsprecher seines Vaters aufzutreten.

Der 43-Jährige lässt, ganz wie der Papa, bevorzugt auf Twitter seine Tiraden gegen alles ab, was er für links oder liberal hält. Kolportiert wird Juniors Interesse an einer Aufgabe in der Waffenlobby National Rifle Association (NRA) oder im RNC. Nur Politiker will er derzeit offenbar keiner werden. Wörtliches Zitat aus einem Interview mit zwei rechten Radiomoderatoren: "Ich weiß nicht, ob ich die alltägliche Arbeit mag, und das ist ein großer Teil davon."

Verarmen wird freilich auch "Fredo" nicht, wie Trump junior im Volksmund genannt wird, weil seine öffentlichen Auftritte nicht nur Trump-Gegner an Fredo Corleone erinnern, den geistig unterentwickelten Sohn des Mafiabosses Vito Corleone aus dem Filmklassiker "Der Pate". Auch Donald Trump selbst bekannte mehrmals öffentlich, dass sein ältester Sohn, "nicht das schärfste Werkzeug im Werkzeugkasten" sei.

Das RNC hielt das nicht davon ab, Juniors von einem Ghostwriter verfasstes und 2019 erschienenes Buch "Triggered" durch Massenankäufe in die Bestseller-Listen zu hieven. Seiner Freundin, die Ex-Fox-News-Sprecherin Kimberley Guilfoyle, seit einem bizarren Auftritt beim Parteitag 2020 landesweit bekannt, wird das oberste Gremium der Republikaner weiter 15.000 Dollar pro Monat dafür zahlen, dass sie Spenden-Events moderiert. So bleibt, was konkrete politische Ambitionen angeht, nur eine Schwiegertochter Donald Trumps übrig. Die könnte es allerdings ernst meinen. Im Bundesstaat North Carolina liegt Lara Trump, die Ehefrau Eric Trumps, in den Umfragen für die nächste dort stattfindende Senatswahl 2022 vorne und schließt eine Kandidatur für die Nachfolge des scheidenden Langzeit-Senators Richard Burr dezidiert nicht aus.

"Trump der wahre Präsident"

Die ehemalige Fernsehproduzentin und zweifache Mutter, die einst in der Flüchtlingskrise 2015 den vermeintlichen "Niedergang Deutschlands" erkannte und unter anderem für die rechtsradikale Verschwörungstheoretikerin Laura Loomer wahlkämpfte, ist definitiv ganz nach dem Geschmack ihres Schwiegervaters: blond, fernseherfahren und ihm bedingungslos ergeben. "Ich denke immer noch, dass man die Leute nie davon überzeugen wird, dass Donald Trump diese Wahl nicht gewonnen hat", sagte Lara Trump noch am Vorabend des Sturms auf das Kapitol auf Fox News. "Es wird Abermillionen Amerikaner geben, die immer denken, dass Donald Trump für die nächsten vier Jahre Präsident bleiben sollte."