Jerusalem. Die bisherige Chefin der oppositionellen Kadima, Tzipi Livni, die in den parteiinternen Vorwahlen vom Dienstag eine klare Niederlage erlitten hat, war am Mittwoch zu keiner Stellungnahme über ihren weiteren politischen Weg bereit. Aus ihrer Umgebung verlautete nur, dass sie einige Zeit Ruhe brauche.

Mofaz hatte bei den Vorwahlen 23.987 Stimmen bekommen, Livni nur 14.516. Insgesamt waren rund 95.000 Kadima-Mitglieder wahlberechtigt. Schon im Vorfeld der Wahlen war darüber spekuliert worden, dass Livni nur bei einer Beteiligung von mehr als 50 Prozent Chancen habe, in ihrem Amt bestätigt zu werden.

Die israelische Zeitung "Haaretz" wies am Mittwoch darauf hin, dass Mofaz besonders bei den arabischen Israelis gepunktet habe und dass in vielen Ortschaften die registrierte Zahl der Kadima-Mitglieder weit über den Stimmen gelegen sei, die Kadima bei den letzten Parlamentswahlen bekommen habe.

Während die Parteimitglieder darauf warten, was Livni nach ihrer Wahlniederlage machen wird, rief Mofaz seine unterlegene Mitbewerberin auf, in der Partei zu bleiben und mit ihm zusammenzuarbeiten. "Tzipi, dein Platz ist bei uns", sagte Mofaz nach seinem Wahlsieg vor Kadima-Anhängern. "Ab heute Nacht gehen wir Hand in Hand, egal, welchem Lager wir angehören, als Partner für die Kadima-Anliegen."

Die persönliche Animosität, die Livni von Mofaz trennt, ist aber ein offenes Geheimnis und gilt als nahezu unüberwindbares Hindernis für eine künftige Zusammenarbeit zwischen den beiden Politikern.

In Israel spekuliert man jetzt über die Optionen, die Livni offenstehen. Sie könnte sich ganz aus der Politik zurückziehen oder ihre politische Laufbahn außerhalb von Kadima fortsetzen. Zur Debatte steht, dass sie entweder in eine andere, bereits bestehende Partei überwechseln oder die Kadima spalten und mit ihren Anhängern in der Knesset eine eigene Fraktion gründen könnte. Möglich ist auch, dass Livni sich mit dem Sohn des früheren Justizministers Tommy Lapid, Yair Lapid, zusammentut und eine neue Partei gründet. Yair Lapid, ein Journalist, Autor und Schauspieler, hatte im Jänner angekündigt, dass er wie seinerzeit sein Vater in die Politik einsteigen wolle. Es wird erwartet, dass er eine Partei der Mitte gründen will, die Umfragen zufolge vor allem zu Lasten Kadimas auf 15 bis 20 Mandate in der für Oktober 2013 geplanten Knessetwahl kommen könnte.

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