Oft begleitet auch ein protestantischer Pastor Nzapalainga und Layama bei ihrer Friedensmission. Sie sprechen zunächst separat mit den Angehörigen ihrer Glaubensgruppe, um dann die Menschen zusammenzuführen. "Wir fragen dabei auch direkt danach, welche Ungerechtigkeiten passiert sind, welche Hindernisse es auf dem Weg zur Versöhnung gibt und wie diese überwunden werden können", sagt der Imam Layama.

Sowohl Layama als auch Nzapalainga bestehen darauf, dass die Wurzel des Konflikts in ihrer Heimat keine religiöse sei. Wenn die Leute stehlen und töten, "verhalten sie sich nicht religiös", betont Layama.

Humanitäre Tragödie

Nzapalainga verweist auf die Genese des Konflikts. Der Grund für den Aufstand der Seleka sei gewesen, dass ihre Heimatregion vernachlässigt wurde, es dort keine Spitäler und keine Infrastruktur gab. Zudem hätten sich die Seleka mit moslemischen Kämpfern aus dem Tschad und dem Sudan verbündet. Der bedrohte Präsident Francois Bozize warnte daraufhin, dass die Moslems die Macht an sich reißen würden. "Wir religiöse Führer haben damals schon gewarnt: Achtung, das ist kein Religionskrieg, sondern ein politischer, in dem der Präsident gerade seine Macht verliert und deshalb versucht, daraus einen Religionskrieg zu machen."

Heute liegt das Land in Trümmern. "Staat und Regierung haben aufgehört zu existieren, und die Milizen bestimmen die Regeln", berichtet Nzapalainga. Gleichzeitig spielt sich eine humanitäre Tragödie ab, wurden hunderttausende Menschen vertrieben, können Hilfsorganisationen entlegene Regionen wegen der Gewalt kaum erreichen.

Layama und Nzapalainga betonen, dass es wieder ein eigenes Militär und eine eigene Polizei braucht, damit der Staat seine Bürger schützen kann. Deshalb betonen sie, dass "wir uns bei Österreich bedanken möchten", das im Rahmen einer EU-Mission vier Experten vor Ort schickt, damit in dem Land wieder eine Armee aufgebaut werden kann. Es sind bereits UN-Blauhelme und französische Einheiten in dem Land stationiert, um Schritt für Schritt für eine bessere Sicherheitslage zu sorgen.

Ein Staatsaufbau wird aber, wenn er funktioniert, Jahre dauern. Einstweilen trotzen der Erzbischof und der Imam weiter dem Hass, setzen ihr Versöhnungswerk fort. "Wir brauchen Geduld", sagt Nzapalainga. "Versöhnungsarbeit ist kein Zauber, der von heute auf morgen wirkt."