Juba. Zuerst stundenlang grünes Nichts, dann ein Meer von blauen und roten Wellblechdächern im Anflug. Danach zu Fuß über das Rollfeld, zwischen dutzenden Großraumfrachtflugzeugen und Helikoptern von UNO und Co. Schließlich Fiebermessen für alle zur Ebolaprävention im zerfetzten Rotkreuz-Zelt hinter ausgedörrten Schlammpfützen. Stickige Hitze, vor dem Flughafen ein überdachter Schuppen als Wartehalle. Keine Taxis. Die Iljuschins Il-76 mit kyrillischem Aufdruck werden gerade weiter hinten entladen, bewacht von so viel strammem Militär, dass Waffenlieferungen unter humanitären Vorwänden wohl nicht auszuschließen sind: Willkommen im Südsudan, der sich vom arabisch dominierten Sudan 2011 losgelöst hat und seither nicht zur Ruhe gekommen ist.

Die Straßen zwischen Präsidentensitz und Kathedrale sind zwar mittlerweile asphaltiert und auch der Flughafen ist längst witterungsunabhängig zu erreichen, doch überall sonst, selbst im Kernstadtbereich, ist das Fortkommen in den lehmigen Seitengassen ohne Allradantrieb fast unmöglich. "Bis vor einigen Monaten gab es im ganzen Land keine einzige Ampel, keine Verkehrszeichen, keine Richtungshinweise, nichts", sagt Roswitha, eine Steirerin, die seit 2008 in Juba lebt und mit ihrem Mann Projekte für die Weltbank durchführt. "Jetzt haben die Chinesen zwar Ampeln aufgestellt, aber die Autos fahren auch bei Rot." Uniformierte Polizisten regeln daher weiter den Verkehr, sind aber im Straßenbild sonst keineswegs präsent. "Macht ja keine Fotos", sagt Roswitha. "Hier gibt es überall Geheimpolizei in Zivil - die Autos ganz ohne Nummerntafel sind am gefährlichsten, schaut nicht einmal hin."

Im Schein der Kerosinlampen


Die koloniale Nilbrücke durch Juba ist die einzige Straßenverbindung über hunderte Kilometer Richtung Uganda, mit hupendem Dauerstau. Einige hundert Meter stromaufwärts wird derzeit eine neue Brücke errichtet, ein japanisches 90-Millionen-Dollar-Entwicklungsprojekt, doch außer einigen asiatischen Ingenieuren ist die Baustelle menschenleer. Auf den Sandbänken liegen Krokodile, am Ufer daneben waschen Frauen ihre Kleidung. Ein paar chinesische Hausboote sind am Ufer vertäut, wo China offiziell landwirtschaftliche Experimente macht, aber wohl eher Mineralien gesucht und Bodenproben entnommen werden.