Beirut. Am Dienstag saß er noch im Cockpit einer Bundesheer-Herkules Transportmaschine, am Mittwoch traf er in der libanesischen Hauptstadt Beirut seinen Amtskollegen Samir Moqbel – Verteidigungsminister Hans-Peter Doskozil. Moqbel, griechisch-orthodoxer Unabhängiger, legte Doskozil die libanesische Sicht auf die Flüchtlingsfrage dar: Über eine Million syrischer Flüchlinge werden in über 1000 Camps versorgt. "Diese Leistung des Landes muss man anerkennen", sagt Doskozil.

Aufgrund der Erfahrungen, die man mit der Etablierung großer Flüchtlingslager für Palästinenser in der Vergangenheit gemacht habe, setzt der Libanon alles daran, das Entstehen großer Lager zu verhindern. "Der Libanon ist nicht zur Etablierung großer Camps bereit", das sei im Gespräch deutlich geworden, berichtet Doskozil. Die schon vor dem Flüchtlingszustrom schwache Infrastruktur des Libanon stößt nun immer mehr an seine Grenzen. Für Doskozil ist die UN-Flüchtlingshilfsorganisation UNHCR der zentrale Ansprechpartner – der Ministerrat hat diese Woche beschlossen, die Hilfe für Flüchtlinge in der Region auf fünf Millionen Euro zu erhöhen.

Ein anschauliches 360-Grad-Foto wurde im Flieger auch gleich aufgenommen:

Minister Doskozil auf dem Weg nach Beirut - im Cockpit einer Heeres-Herkules. - Spherical Image - RICOH THETA

Libanon fordert Unterstützung im Grenzmanagement

Es gebe zwar Schwierigkeiten bei der Bereitstellung von Strom, bei der Müll- und Abwasserentsorgung und bei der medizinischen Versorgung. Die Schulen würden die Kinder im Schichtbetrieb unterrichten, aber im Zusammenleben zwischen Syrern und Libanesen gebe es keine Schwierigkeiten – das hat Moqbel seinem österreichischen Amtskollegen Doskozil berichtet.

Die Grenzsituation macht dem libanesischen Verteidigungsminister aber Sorgen. Die libanesische Armee benötige mindestens acht zusätzliche Hubschrauber, um die Grenze zu Syrien wirkungsvoll kontrollieren zu können. Der Libanon, so Verteidigungsminister Moqbel, erwartet von den Europäern auch "operative Hilfe im Grenzmanagement". Der Libanon würde die wichtige Aufgabe der Grenzsicherung zu Syrien übernehmen und das trage auch zum Schutz der Europäer vor Terror bei. Dafür erwartet der Libanon Unterstützung, machte Moqbel Doskozil in der Unterredung deutlich.

Verteidigungsministertreffen für Monatsende geplant

Österreich hat "Ausbildungsmodule" für libanesische Offiziere angeboten. Zudem hat Doskozil Moqbel zugesichert, die libanesischen Anliegen nach Brüssel weiterzutragen. Gleichzeitig hat Doskozil Moqbel zum Treffen der zentraleuropäischen Verteidigungsminister eingeladen, das von 31. März bis 1. April in Wien stattfinden wird und bei dem Verteidigungsminister aus den Balkanstaaten und der Visegrad-Gruppe teilnehmen sollen. Deutschland und Griechenland seien ebenfalls eingeladen worden, betont Doskozil in Anspielung auf den Ärger Griechenlands, zum Balkan-Außenministertreffen nicht eingeladen gewesen zu sein.

In Wien sollen konkrete sicherheitspolitische Empfehlungen für die EU-Kommission erarbeitet werden. Mitte April findet dann in Brüssel der Gipfel der Verteidigungsminister statt. Der wichtigste Tagesordnungspunkt der EU-Verteidigungsminister wird ebenfalls die Flüchtlingsfrage sein.