Schon damals, vor neun Jahren, hatte US-Oberst Peter Mansoor den Rückzug der Briten aus Basra als eine Niederlage bezeichnet. Der britische "Telegraph" titelte: "Nicht unsere beste Stunde!", und sprach von dubiosen Deals der Militärführung mit den Aufständischen. Basra wäre in einer verzweifelten Notlage, so Mansoor, der in Bagdad mit General David Petraeus zusammenarbeitete. Und tatsächlich: Nachdem die Briten sich auf ihren Stützpunkt am Flughafen zurückgezogen hatten, rückte der damalige irakische Premier Nuri al-Maliki mit der Armee in die Stadt ein, um die Miliz des mit ihm rivalisierenden Schiitenführers Moktada al-Sadr zu bekämpfen. Blutige Gefechte waren die Folge. Schließlich griffen Amerikaner und Briten ein und entschieden zugunsten der Regierungstruppen. Doch der politische Konflikt ist bis heute nicht beigelegt, die Wunden von damals sind nicht verheilt. Zwar gelingt es der sunnitischen Terrormiliz IS trotz unzähliger Versuche nicht, im schiitisch geprägten Basra Fuß zu fassen, doch Kriminalität und Korruption grassieren wie nirgendwo sonst im Irak. Inzwischen wollen viele Einwohner Basras und mittlerweile auch die Verantwortlichen in Stadt- und Provinzrat eine Loslösung von Bagdad und volle Autonomie für die Region im Süden.

Dem Iran ausgeliefert

"Die Briten sind gegangen, ohne etwas zurückzulassen", klagt Hatam al-Bachary, Chef der irakisch-britischen Handelskammer in Basra. Sie hätten sich erhofft, dass zumindest zivile britische Organisationen in der Stadt blieben. "Aber alles, alles ist mit den Truppen weg". Es gäbe keine britischen Investitionen, kein Konsulat, kaum Handelsbeziehungen. Sie seien gänzlich dem Einfluss Irans ausgeliefert worden. Das macht sich auch im Straßenbild Basras bemerkbar. Als die Briten das Sagen hatten, sah man viele Frauen unverschleiert oder nur mit einem lockeren Schal auf dem Kopf. Jetzt tragen nahezu alle Frauen schwarze Abbajas, lange Mäntel mit einem alle Haare verdeckenden schwarzen Schleier. Sogar die Vollverschleierung nimmt zu.

Von den Briten im Stich gelassen, fühlt sich auch Kasim Mohammed al-Fayad, Mitglied der Industrie und Handelskammer in Basra. "Schauen Sie sich doch
einmal auf den Märkten und in
den Geschäften um", rät er. "Alles Waren aus dem Iran, wir haben keine Balance in unserem An-
gebot." Andere gehen noch einen Schritt weiter und sagen: "Erst haben die Briten hier alles aufgemischt, dann sind sie abgehauen." Zitiert werden wollen sie mit
dem Satz aber nicht. Die Angst vor den "iranischen Ohren" in der Stadt ist zu groß.