Washington. Als Hauptgang gab es in Mar-a-Lago entweder Seezunge in Champagnersauce oder ein gut abgelegenes New York Strip Steak. Doch dass das gemeinsame Abendessen von US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping nicht so ausklingen würde wie ursprünglich geplant war bereits klar, als im luxuriösen Millionärsklub der Nachtisch abserviert wurde. Zu diesem Zeitpunkt liefen auf den US-Nachrichtensendern bereits die ersten Bilder des Angriffs auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Shayrat. Den Einsatzbefehl für die beiden amerikanischen Zerstörer im Mittelmeer, von denen aus insgesamt 59 Tomahawk-Marschflugkörper abgefeuert wurden, hatte Trump unmittelbar, bevor er mit Xi am Tisch Platz nahm, unterschrieben.

Doch eine ausschließliche Impulshandlung im Stil der zornigen Trump-Tweets dürfte der Vergeltungsschlag für den syrischen Giftgaseinsatz in der Stadt Khan Sheikoun nicht gewesen sein. Bereits wenige Stunden nach dem Angriff, bei dem am Dienstag mehr als 80 Menschen ums Leben gekommen waren, hatte sich Trump von seinen Mitarbeitern mögliche Strafmaßnahmen gegen den syrischen Machthaber Bashar al-Assad präsentieren lassen. Neben der Verhängung von zusätzlichen Sanktionen und einer weiteren Erhöhung des diplomatischen Drucks ging es dabei auch um jene Pläne für einen Militäreinsatz, die schon lang vor Trumps Amtsübernahme im Jänner ausgearbeitet worden waren. "Diese Pläne mussten lediglich ein wenig abgestaubt und an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden", sagt ein hoher Regierungsbeamter, laut dem Trump sich bereits am Mittwochvormittag für einen Militärschlag entschieden hat. Zu diesem Zeitpunkt wollen die US-Geheimdienste sogar schon das Sukhoi-22-Kampflugzeug ausfindig gemacht haben, das für den Giftgasangriff verantwortlich war.

Ideologen im Abseits

Bemerkenswert ist allerdings nicht nur, dass Trump, der Amerika endgültig von der Rolle des Weltpolizisten befreien wollte, sich so rasch und konsequent für die militärische Option entschieden hat. In den vergangenen drei Tagen, die in Washington von vielen Meetings hinter verschlossenen Türen geprägt waren, hat auch ein gänzlich anderer Beraterkreis den Ton angegeben. Hatte sich Trump in den ersten Wochen nach seiner Angelobung vor allem mit Politstrategen wie dem ultrarechten Ex-Breitbart-Chef Steve Bannon umgeben, so wandte sich der Präsident in seiner ersten globalen Krise nun den erfahrenen Militärexperten zu. Neben Verteidigungsminister James Mattis, früher selbst General des Marine Corps, sollen vor allem der Nationale Sicherheitsberater H.R. McMaster und Generalstabschef Joseph Dunford die entscheidenden Impulse für jenen Militärschlag geliefert haben, den Trump dann in Mar-a-Lago mit den Gräueln gegen hilflose Männer, Frauen und Kinder rechtfertigt.

McMaster, der deutlich moderatere Positionen vertritt als sein über seine Russland-Kontakte gestürzter Vorgänger Michael Flynn, hatte bereits zu Wochenbeginn seine Position deutlich stärken können. Am Montag war der ideologische Hardliner Bannon, der sich mit McMaster einen verbissenen Machtkampf um die Aufmerksamkeit des Präsidenten geliefert haben soll, von Trump aus dem Nationalen Sicherheitsrat entlassen worden. Auskosten kann der Drei-Sterne-General seinen Sieg aber wohl kaum. Denn nach Syrien wartet mit Nordkorea schon das nächste geopolitische Pulverfass auf die Generäle.