Nairobi. Den acht Stunden hatte die Konkurrenz lange nichts entgegenzusetzen gehabt. Denn nichts symbolisiert den wirtschaftlichen Aufschwung Kenias derzeit stärker als jene acht Stunden, die sich Reisende auf der Strecke Nairobi-Mombasa ersparen, seit die noch von den Briten in der Kolonialzeit erbaute Bahnstrecke vor zwei Monaten durch eine neue Hochgeschwindigkeitstrasse ersetzt wurde. Und Präsident Uhuru Kenyatta hatte so knapp vor den Wahlen kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um die neue Strecke als krönenenden Abschluss seiner großen Infrastruktur-Offensive anzupreisen.

Doch mittlerweile ist das 3,4-Milliarden-Euro-Projekt, das maßgeblich von China finanziert und umgesetzt wurde, aus der Spur geraten. Immer lauter wird die Kritik, dass es vor allem darum ging, das Prestigevorhaben rechtzeitig vor den Präsidenten- und Parlamentswahlen am 8. August fertig zu bringen, während alle damit verbundenen Probleme wie der Verkehrsinfarkt rund um die Bahnhöfe oder das Chaos beim Ticketverkauf ignoriert wurden.

Ähnlich starken Gegenwind spürt auch der Präsident selbst. Lag Kenyattas Jubilee-Partei zu Beginn des Wahlkampfs noch knapp 30 Prozentpunkte vor der National Super Alliance (Nasa) seines größten Gegners Raila Odinga, so ist dieser Vorsprung mittlerweile auf drei Prozentpunkte geschrumpft. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem der Ausgang tage- oder wochenlang in Schwebe sein könnte, scheint damit unausweichlich. Angesichts dieser Ausgangslage macht sich in der größten Volkswirtschaft Ostafrikas auch schon seit geraumer Zeit die Angst breit. Denn eine ähnliche Konstellation hatte im Jahr 2007 zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen geführt, als sich nach einem von Betrugsvorwürfen überschatteten Wahlgang sowohl Odinga als auch der damalige Präsident Mwai Kibaki zum Sieger erklärt hatten. Aufgehetzte Parteianhänger zogen damals mit Macheten und Speeren durch die Straßen und töteten knapp 1200 Menschen.

Wahlleiter ermordet

Kenyatta, der 2007 Chef der Kanu-Partei war und zusammen mit seinem heutigen Stellvertreter William Ruto die Unruhen gezielt geschürt haben soll, musste sich deswegen sogar vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten. Wegen Mangel an Beweisen wurden die Ermittlungen gegen den 55-Jährigen, dessen Vater Jomo der erste Präsident des unabhängigen Kenias war, aber eingestellt.