Den US-Militärs ist bewusst, welche fatale Folgen ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel hätte: Nicht nur könnte die Zahl der Toten in die Millionen gehen, auch würde er wohl eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise auslösen. "Die USA wissen, dass die militärische die schlechteste aller Optionen ist", sagt der "Wiener Zeitung" Patrick Köllner vom GIGA, einem deutschen Forschungsinstitut.

Nordkorea wiederum ließ am Mittwoch einen zu lebenslanger Haft verurteilten kanadischen Pastor frei. Man weiß noch nicht, in welchem Gesundheitszustand sich dieser befindet (der US-Student Otto Warmbier starb nach seiner Freilassung), aber wenn der Pastor gesund ist, kann dies als versöhnliche Geste interpretiert werden.

Generell ist Nordkorea - bei aller Rhetorik - an keinem Krieg interessiert, bei dem es auf lange Sicht unterlegen ist. Der US-Feind sieht seine Atomwaffen vielmehr als Absicherung an, um nicht, wie etwa der Irak unter Saddam Hussein, von den USA angegriffen zu werden. "Den Nordkoreanern ist klar: Wenn sie militärisch massiv aktiv werden, dann bedeutet das das Ende für das Regime und das Land", betont Köllner, der am GIGA das Institut für Asien-Studien leitet.

Gefährliche Unberechenbarkeit

"Man könnte sich einen Militärschlag der Nordkoreaner nur vorstellen, wenn man dort glaubt, dass ein militärischer Angriff der USA unmittelbar bevorsteht", sagt Köllner.

Genau hier liegt die Gefahr: Dass die Nordkoreaner etwa Truppen-Aufstockungen der USA in der Region oder eine US-Militärübung als Vorbereitung auf einen Angriff interpretieren und diesem zuvorkommen wollen.

Aber auch bei den USA weiß man nicht, wie sie auf die permanenten Nadelstiche der Nordkoreaner reagieren. Vielleicht verspekuliert sich Kim und leitet mit der Aufrüstung genau sein Ende ein - weil die USA mit einem Militärschlag dem zuvorkommen wollen, dass Nordkorea US-Städte atomar angreifen kann. Wobei freilich denkbar ist, dass die Nordkoreaner mit ihrem Waffenprogramm noch gar nicht so weit sind, wie es die USA vermuten.

Nordkorea habe sich schon in der Vergangenheit bewusst als unberechenbar präsentiert, erklärt Köllner, unter Trump würden nun auch die USA so agieren. "Dadurch wächst die Gefahr von Fehlinterpretationen auf einer der beiden Seiten."

Auch wenn beide Seiten prinzipiell keinen Krieg wollen - ein einziger fataler Fehler kann in diesem Konflikt einen verheerenden Flächenbrand auslösen.