Washington/Jerusalem. Es ist ein hochpolitischer Akt. Doch an sich klingt der Schritt von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen, nicht sonderlich revolutionär. Israel betrachtet Jerusalem spätestens seit 1980, als die Knesset das "Jerusalemgesetz" verabschiedete, als "vollständige und vereinigte" Hauptstadt des Landes. Parlament, Regierung und Gerichtshof sind dort angesiedelt. Man empfängt seit Jahrzehnten Staatsgäste in Jerusalem, ohne damit allzu große internationale Verwicklungen auszulösen. Die US-Vertretung wäre auch nicht die erste Botschaft, die sich in der Heiligen Stadt angesiedelt hätte: In den 1950er Jahren hatten unter anderem Kenia, Bolivien, die Niederlande und Haiti Botschaften in Jerusalem eröffnet, ehe sie sich, die meisten nach der Annexion Ost-Jerusalems durch Israel im Jahr 1980, nach Tel Aviv zurückzogen. Und der US-Kongress selbst hatte bereits 1995, vor 22 Jahren also, beschlossen, die Botschaft vom jungen Tel Aviv am Mittelmeer in die altehrwürdige jüdische Hauptstadt zu verlegen.

Plangemäß hätte der Umzug 1999 abgeschlossen sein sollen. Er wurde nur aufgrund einer Klausel im entsprechenden Gesetz alle sechs Monate aufgeschoben. Ist es da nicht folgerichtig, wenn Trump den Ankündigungen jetzt Taten folgen lässt? Ist es nicht einfach eine realpolitische Maßnahme, eine Anerkennung der Tatsachen, wenn der US-Präsident sein Wahlversprechen umsetzt?

So einfach stehen die Dinge nicht. Nicht im Falle Jerusalems. Die altehrwürdige Stadt gilt als Zankapfel schlechthin zwischen Juden und Arabern. Allen drei monotheistischen Weltreligionen - Juden, Christen und Muslimen - gilt Jerusalem als besondere, als heilige Stadt. Schon früh kreuzten sich hier die Hochkulturen, neben den biblischen jüdischen Fürsten wie dem legendären König Salomon, auf den der Bau des ersten Tempels zurückgehen soll, hinterließen auch Ägypter, Babylonier, Römer und Araber ihre Spuren. Jerusalem ist mit Geschichte aufgeladen - und mit religiöser Bedeutung. Nach dem Glauben der Christen wurde Christus hier gekreuzigt und ist auferstanden. Die Grabeskirche erinnert daran. Den Juden gilt die Klagemauer, ein Überrest des von den Römern zerstörten antiken Zweiten Tempels, als heilig. Nur dort soll eine direkte Verbindung zu Gott möglich sein. Auf dem Tempelberg selbst ruht der muslimische Felsendom. Das ebenso imposante wie feingliedrige Bauwerk mit der goldenen Kuppel, das drittwichtigste islamische Heiligtum, erinnert daran, dass von hier aus der Prophet Mohammed in den Himmel geritten sein soll.