Der Rundgang durch das weitreichende Gelände erfolgt für eine österreichische Delegation aus Wiener Wirtschaftskammer und Vertretern von Transportunternehmen. Angeführt wird die Delegation von Alexander Biach, Hauptverbandchef und stellvertretender Direktor der Wiener Wirtschaftskammer, Österreichs Mister Seidenstraße.

Zentralasiens Knotenpunkt

Er zückt den Block, lässt sich kein Wort des Vortrags entgehen. Biach ist sehr interessiert daran, dass ein Strang der Seidenstraße bis nach Österreich führt. Ähnlich wie Khorgos für Zentralasien soll der Großraum Wien ein Knotenpunkt für Mitteleuropa sein, so der Plan. Seit Jahren setzt er sich für eine Anbindung Wiens an Chinas Großprojekt ein. Redet mit Politikern, Wirtschaftsverbänden, Unternehmern und bereist die Länder entlang der Route. Die Wiener Wirtschaftskammer unterstützt ihn dabei.

Zuletzt überzeugte Biach die österreichische Regierung für das Vorhaben. Die "Wiener Zeitung" hat berichtet. 1,3 Milliarden Euro will der Bund nun investieren, um die Breitspurbahn vom derzeitigen slowakischen Endpunkt Kosice 420 Kilometer in den Raum Wien zu verlängern. Frühestens in 15 Jahren sollen die Containerzüge dann direkt vom kasachischen Khorgos bis in die Bundeshauptstadt fahren. Auch einen Terminal soll es geben. Wo sich dieser befinden soll, ist aber noch unklar. Zuletzt war Parndorf im Gespräch, Gemeinde und burgenländische Landesregierung lehnten jedoch ab.

In die trockene Einöde gebaut : der Terminal von Khorgos. - © Vasari
In die trockene Einöde gebaut : der Terminal von Khorgos. - © Vasari

Doch was in Österreich noch diskutiert wird, ist in Kasachstan längst in Bau. Das Land hat seine Rolle verstanden. Der kürzeste und einfachste Weg zwischen China und Europa führt durch Kasachstan. Der Großteil des Landes ist durchzogen von einer flachen Steppe, in der sich selten jemand niedergelassen hat. Nur 18 Millionen Menschen wohnen im neuntgrößten Land der Erde. Das sind sieben Menschen pro Quadratkilometer, in Österreich leben auf derselben Fläche 105 Menschen. Die geringe Anzahl ist optimal für den Ausbau eines Schienennetzwerkes. Damit wird der karge Landstrich zur großen Einnahmequelle Kasachstans. Das Land vergoldet seine Steppe.

China unterstützt die Bestrebungen Kasachstans. Das staatliche Schiffsunternehmen Cosco und der Hafen der nordöstlichen Vier-Millionen-Stadt Lianyungang halten gemeinsam 49 Prozent an dem Terminal in Khorgos - den Rest hält die kasachische Eisenbahngesellschaft. Zudem gründete die Volksrepublik vor vier Jahren eine eigene Stadt auf ihrer Seite des Grenzgebiets. Ihr Name: Korgas. Knapp 100.000 Menschen sind bereits hierhergezogen. Glitzernde Wolkenkratzer wurden bis knapp an die Grenze hochgezogen. Sie zeigen, dass auch China mit diesem kargen Stück Land Großes vorhat. Und das kasachische Terminal in eine glückliche Zukunft blicken kann.

Neue Freundschaft mit China

... mit einem Schritt kann man zwischen rotem und blauem Feld, zwischen China und Kasachstan, hin und her springen. - © WZ / Bernd Vasari
... mit einem Schritt kann man zwischen rotem und blauem Feld, zwischen China und Kasachstan, hin und her springen. - © WZ / Bernd Vasari

Die Zusammenarbeit der Nachbarn ist neu. Bisher sind Kasachstan und China mit dem Rücken zueinander gestanden. Doch das ändert sich nun. Die Investitionen Chinas in die kasachische Wirtschaft liegen bei etwa 42,8 Milliarden Dollar, das Kreditvolumen liegt bei über 50 Milliarden Dollar. Kasachstan und China kooperieren immer enger im Rohstoffsektor. Rund ein Viertel der Ölförderung Kasachstans entfällt auf China, demnächst soll es auch Gaslieferungen an die Volksrepublik geben. Die staatliche China Development Bank (CDB) finanziert zudem eine 1280 Kilometer lange Gaspipeline von Beyneu am Kaspischen Meer in die südkasachische Stadt Shymkent, wo sie an die Central-Asia-China-Pipeline angebunden wird.