Genf/Wien. Das Video ist zwar mittlerweile zwölf Jahre alt, aber noch immer geeignet, Gänsehaut hervorzurufen. Zu sehen ist in dem knapp drei Minuten langen Clip, den das US-Robotikunternehmen Boston Dynamics produziert hat, ein vierbeiniger Roboter von der Größe eines Maultiers, der sich, bepackt mit in Camouflage-Farben gehaltenen Rucksäcken, seinen Weg durch unwegsames Gelände bahnt. Die Bewegungen des "Big Dog" wirken zwar manchmal unbeholfen, gleichzeitig ist aber ersichtlich, dass sich die knapp 75 Kilo schwere Maschine durch nichts aufhalten lässt. Selbst als ein Mitarbeiter mit voller Wucht gegen den Roboter tritt, taumelt dieser nur kurz zur Seite, um danach unbeirrt weiterzumarschieren.

Keine Befehlsverweigerung


Der "Big Dog" ist allerdings nur der Urahn der modernen Kriegsroboter. Seine Nachfahren, die derzeit in der Forschungslabors der großen Militärmächte entwickelt werden, sind nicht nur ausgereifter und stärker, sondern verfügen in zunehmendem Maße auch über Künstliche Intelligenz. So ist es heute möglich, Kampfroboter zu bauen, die selbständig Ziele auswählen und dann auch ausschalten. Dabei geht es nicht nur um Geschützstellungen oder Treibstofflager, die Drohnen mit Raketen und Bomben unter Beschuss nehmen können. Dank fortgeschrittener Gesichtserkennungssoftware ist es mittlerweile auch nicht mehr schwierig, zuvor ausgewählte Personen oder ganze Personengruppen gezielt ins Visier zu nehmen.

Die Waffentechnik steht damit nach der Erfindung des Schießpulvers und der Entwicklung von Atomwaffen vor ihrer dritten Revolution. Denn bisher hatte immer noch der Mensch, selbst wenn er tausende Kilometer vom eigentlichen Kriegsgebiet entfernt den Angriff einer Drohne steuerte, die Letztentscheidung über Leben oder Tod. Bei mit Künstlicher Intelligenz ausgestatteten Waffensystemen ist diese Instanz, also der sprichwörtliche Finger am Abzug, nicht mehr nötig. Wer stirbt und wer nicht, obliegt dann Algorithmen und autonom lernende Computersystemen.

Krieg ohne unschöne Bilder


Aus Sicht der militärischen Entscheider ist die Aussicht auf maschinengeführte Kriege natürlich verlockend. Denn wenn die derzeit mit enormen finanziellen Mitteln unterstützte Entwicklung weiter so schnell voranschreitet wie bisher, werden Kampfroboter menschlichen Soldaten wohl schon bald überlegen sein. Das betrifft nicht nur grundsätzliche militärische Parameter wie etwa die Treffergenauigkeit oder die physische Ausdauer. Anders als ihre Pendants aus Fleisch und Blut kennen die Blechsoldaten weder Angst noch Stress und verweigern keine Befehle.