Wien. In der Opferrolle sah sich die Wiener FPÖ bei einem Pressegespräch anlässlich der zu erwartenden Demonstrationen gegen den Akademikerball (bis 2012: WKR-Ball, Anm.) am Freitag. Man sei sehr verwundert und kann sich den Hass im Vorfeld, der sich gegen die Veranstaltung und die Partei richtet, nicht erklären. FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus befürchtet Ausschreitungen durch Demonstranten gegen Besucher des Akademikerballs und warnte vor einer "Stiefeltruppe der Linken, die auf Knopfdruck zuschlägt." Dabei will die Veranstalterin des Balles, die FPÖ, mit ihren rechten Freunden nur eine "rauschende und wunderschöne Ballnacht" erleben.

Die "Linken" sind schuld

Die Schuldigen werden im "linken" Umfeld ausgemacht. Die Demonstranten seien "Links-Faschisten", die "in ihrem Leben noch nichts zusammengebracht haben", meint Gudenus. Beim Ball würden sich hingegen die "Stützen der Gesellschaft" versammeln. "10.000 Leistungsträger" erwartet man dieses Jahr, sagt Ballorganisator und FPÖ-Gemeinderat Udo Guggenbichler.

Vorwürfe gab es auch gegen die Wiener Polizeispitze, allen voran gegen den Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl. Aus gesicherten Quellen hätte man die Information erhalten, dass ein rechtzeitiges Eingreifen der Polizeibeamten im vergangenen Jahr von oberer Stelle verhindert worden sei, erzählt der blaue Gemeinderat Wolfgang Jung. Und durch das nahe Heranlassen der Demonstranten an die Ballgäste sei der "linksfaschistische Mob" nun "übermütig" geworden. Guggenbichler ruft nun die Veranstalter von Demonstrationen auf, sich von jeglicher Gewalt zu distanzieren - auch von den Vorkommnissen der vergangenen Jahre. Dies sei bisher nämlich nicht geschehen.

KZ-Überlebende protestieren

Auf die Vorwürfe der FPÖ antwortete das Bündnis "NoWKR", das die Gewaltanschuldigungen zurückwies. Die FPÖ versuche durch beschworene Szenarien von Straßenschlachten und entfesselter Gewalt, "Proteste gegen Rechtsextremismus und Geschichtsrevisionismus zu kriminalisieren", hieß es in einer Aussendung. Den Protestbündnissen Hetze in den Mund zu legen, sei eine glatte Lüge.

Kritik an der Abhaltung des Akademikerballs kommt aber nicht nur von politischer Seite. In einem emotionalen Appell haben Überlebende des Holocaust bereits vor mehr als einer Woche dazu aufgerufen, dem Ball der schlagenden Burschenschafter in den Räumen der Republik endlich ein Ende zu setzen. "Für rechtsextreme Vernetzungstreffen darf es keinen Platz in der Hofburg geben. Ziehen Sie eine klare Grenzlinie - jetzt und für immer", schreiben sechs Überlebenden der Nazizeit in ihrem offenen Brief. Der Brief wurde unter anderem vom KZ-Überlebenden (KZ Lackenbach) und heutigen Obmann des Kulturvereins Österreichischer Roma, Rudolf Sarközi, mitunterzeichnet.

Die Antwort der Hofburg Betriebsgesellschaft fiel knapp aus. "Der Ball findet statt" und Inhalt und Gestaltung des Balles würden dem Veranstalter obliegen.

Hass-Postings auf Facebook

Weniger sensibel zeigt sich die FPÖ dieser Tage, wenn es um Angriffe auf andere Parteien geht, und diese auf der Facebook-Seite von Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache gepostet werden. Nachdem der FPÖ-Obmann ein unvorteilhaftes Foto von Eva Glawischnig auf seine Seite stellte, hagelte es wüste Beschimpfungen gegen die grüne Bundessprecherin von Straches Facebook-Freunden. Die "lesbischen Grünen und Glawischnig sollen verrecken", schreibt ein Poster. Ein anderer: "Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt." Vonseiten der FPÖ hieß es dazu lapidar, dass man die Postings "natürlich löschen" werde. Mehr als sieben Stunden hat das gedauert.