Wien. Holzfassaden, Sonnenkollektoren, platzsparende Raumlösungen - so sollte jedes Gebäude vom Einfamilienhaus bis zum Großprojekt aussehen, ist man sich auf der Podiumsdiskussion "Energieeffizienz versus Baukultur" des Ausschusses Nachhaltiges Bauen weitgehend einig.

Die Architektur habe in den vergangenen Jahren zwar große Fortschritte in Richtung Energieeffizienz gemacht, es sei aber noch viel Luft nach oben, heißt es.

So werden die neuen Wiener Stadtentwicklungsgebiete, beworben als Smart-City-Projekte, dem Begriff "Smart City" oftmals nicht gerecht, beteuert Architekt Georg Reinberg. Er kritisiert, dass die Weiterentwicklung in Aspern Nord teilweise mit Gas beheizt wird, was schlichtweg keine umweltfreundliche Lösung sei. Das Gegenbeispiel: Mehr als 120.000 Wiener Gemeindewohnungen werden bereits mit Fernwärme versorgt, wodurch der Schadstoffausstoß von rund 150.000 Autos wettgemacht wird. "Der Verkehr hat momentan keine Antwort auf die Energiefrage, die Architektur aber schon. Wir brauchen nur ambitioniertere Vorgaben", ist Reinberg überzeugt.

Laut Robert Lechner vom Österreichischen Ökologie Institut seien nicht die Neubauten, sondern die niedrige Sanierungsquote die Schwachstelle Wiens. Seiner Meinung nach gebe es sehr wohl ambitionierte Stadtentwicklungsformen in Wien, wobei das eher an den ordnungsrechtlichen Vorgaben als am individuellen Engagement liege. Viel schwieriger sei es, alte Gebäude so aufzupeppen, dass sie wieder attraktiv und energiesparend sind. Als Juror des Staatspreises für Architektur und Nachhaltigkeit würde er sich mehr Einreichungen innovativer Sanierungen wünschen, doch das sei wohl einfach nicht Österreichs Disziplin.

Raumwärme zu 12 Prozent für Emissionen verantwortlich


Was energieeffizienteres Bauen bewirken kann, zeigt die Vergangenheit: 500 Millionen Tonnen an CO2-Verbrauch konnten dadurch seit 1990 in Österreich eingespart werden. Heute ist der Sektor "Raumwärme und sonstiger Kleinverbrauch" zu 12 Prozent für die österreichweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich - und der einzige Sektor, der in den letzten 25 Jahren überhaupt Einsparungen erzielen konnte. "Wir dürfen uns deswegen aber nicht auf die Schulter klopfen, sondern sollten uns an den Klimazielen der EU orientieren", meint Lechner. Er befürchtet, dass man sich in Österreich immer mehr an Kosten- statt Energieeffizienz orientieren und die Wohnbauförderung von Energieeffizienzmaßnahmen loslösen werde. Doch eigentlich muss Österreich seine Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 senken, um die EU-Kernziele zu erreichen. Gelingt das nicht, seien laut Robert Lechner Strafzahlungen von mehreren Hundert Millionen Euro zu leisten.

"Solange Energie günstig ist, schaffen wir den Wandel nicht"


Doch wie sieht es aus, das perfekte energieeffiziente Haus? Je nach Lösungsansatz sollen gute Wärmedämmung, effiziente Gebäudetechnik und die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe die CO2-Emissionen weiter senken. Für den Vorarlberger Architekten Jury Troy ist Wärmedämmung aber suboptimal: "Das Zukleistern von Häusern kann nicht unser letzter Schluss sein." Stattdessen setzt er auf individuell geplante Holzhäuser. Er ist auf das Umweltbewusstsein der Kunden angewiesen, denn auch er kann nicht leugnen, dass Betonwände mit Styropor günstiger sind als Holzfassaden.

Dieses Bewusstsein sei zum Beispiel in Vorarlberg viel eher vorhanden als in Wien, wo die Leute weniger Kontakt mit Architekten hätten. In der Folge stützen die meisten Bauherren ihre Entscheidung nur auf den Preis des Hauses selbst. Dabei käme es auf mehr an: "In einer kleinen Wiener Wohnung sind die Heizkosten dreimal so hoch wie in einem nachhaltigen Haus. Aber solange die Energie so günstig bleibt, schaffen wir den Wandel nicht."