Also dass nur eine der beiden Personen geht, scheint unwahrscheinlich, zumal sich Häupl mit Sicherheit von keiner Seite nachsagen lassen will, er hätte sich von der einen oder anderen Seite hertreiben lassen. Allein aus diesem Grund muss er beide Flügel gleich behandeln, um am Ende nicht als entscheidungsschwach dazustehen.

Mobilisierungsversuche


Auf alle Fälle dürften derzeit in beiden Lagern heftige Mobilisierungsversuche stattfinden, um sich jeweils ins beste Licht zu rücken. Wobei zu beobachten ist, dass die Ludwig-Seite klar ihren Kronprinzen auserkoren hat. Im anderen Flügel hingegen dürften sich nicht alle so klar hinter Wehsely versammeln. Sie hatte zwar den Kampf angeführt, sich aber nicht so deutlich in Stellung gebracht wie Ludwig.

Dann gibt es in der ganzen Personalrochade noch den Aspekt, dass Häupl das Geschlechterverhältnis einhalten muss. Derzeit gibt es in der Stadtregierung vier Frauen und zwei Männer - mit dem Bürgermeister sind es drei Männer. Das heißt, Häupl wird nicht Bildungs- und Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger durch Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorsky ersetzen können, wenn er gleichzeitig vorhätte, SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder zum Finanzstadtrat zu machen und Renate Brauner zur Landtagspräsidentin. Abgesehen davon scheint es trotz schon lang anhaltender Unkenrufe unwahrscheinlich, dass die SPÖ-Frauenvorsitzende Renate Brauner nach erfolgreich verhandeltem Finanzausgleich und in Gang gesetzter Strukturreform demnächst das Handtuch werfen sollte.

Was noch dazu kommt, ist, dass diese immer wiederkehrenden Gerüchte in keiner Weise dem flügelübergreifenden Ruf nach Erneuerung entsprechen würden. So gesehen wäre es keine sehr nachhaltige Entscheidung, etwa Simmerings Bezirksparteichef Harald Troch oder Donaustadt-Bezirkschef Ernst Nevrivy in die Stadtregierung hineinzusetzen. Dementsprechend müsste Häupl zumindest eine Person aussuchen, die für etwas Modernes steht. So wäre es laut SPÖ-Insider auch möglich, dass einzelne Ressorts aufgeschnürt werden, um etwa ein leicht handelbares, nicht krisenanfälliges "Light-Ressort" für ein junges Regierungsmitglied zu schaffen, das langfristig aufgebaut werden soll.

Hoher Altersdurchschnitt


Tatsache ist, dass der Altersschnitt der Stadtregierung ein relativer hoher ist. Allein wenn man bedenkt, dass Sonja Wehsely vor mehr als zehn Jahren das jüngste Mitglied der Stadtregierung war - und es noch immer ist. Wenn man also nicht will, dass die Stadtregierung einmal wegen Überalterung komplett ausgewechselt werden muss, sollte man allmählich damit beginnen, sie sanft zu verjüngen. Genauso möglich wären Rochaden mit dem Bund. Kanzleramtsstaatssekretärin Muna Duzdar wäre etwa dem Vernehmen nach eine attraktive Stadtrats-Anwärterin. Allerdings ist sie erst seit kurzem im Amt und dürfte dort innerhalb der SPÖ als gute Besetzung gelten.

Eines darf man aber letzten Endes nicht vergessen: Das Krankenhaus Nord wird sich nicht schneller bauen, die Integrationsproblematik nicht schneller lösen, die Verwaltungsreform keine Einsparungen verhindern - nur weil eine Frau oder ein Mann das Ressort führt. Nur weil die Person jung oder alt ist. Nur weil sie einem bestimmten Flügel innerhalb der SPÖ angehört.