In Nagasaki war es der schottische Industrielle Thomas B. Glover, der die Region maßgeblich beeinflusste. Er brachte die Technologie mit, um Kohle in großen Tiefen abzubauen. Noch heute ist Glovers Name im Raum Nagasaki bekannt. Seine Villa, die in einer idyllischen Anlage mit anderen Gebäuden im westlich-japanischen Stil liegt, lockt viele Besucher an. Im Juli 2015 wurde der "Glover Garten" mit Gunkanjima und 22 weiteren Orten, die für Japans Modernisierung Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts stehen, ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen.

Fast wäre es nicht zu dieser Auszeichnung gekommen. Korea hatte dagegen protestiert. Denn von dort kamen viele Arbeiter, die im Krieg in der Mine arbeiteten - keineswegs freiwillig. Korea war von 1910 bis 1945 unter japanischer Herrschaft. Schließlich einigten sich Japan und Korea bilateral auf einen Kompromiss bei der Formulierung der Bewerbung.

Weil viele junge Japaner als Soldaten im Krieg waren, hatte der Staat damals auf Drängen der Industrie Zwangsarbeiter von der koreanischen Halbinsel und aus China rekrutiert. Diese lebten im Gegensatz zu den Japanern in windigen Holzbaracken, die kaum den jährlichen Taifunen standhielten, erklärt der emeritierte Professor Yasunori Takazane. Die Arbeiter hätten nur sehr wenig zu essen gehabt und viel zu wenig Nährstoffe bekommen, sagt Takazane. Er zeigt auf Nachbildungen des Essens aus Plastik in einem kleinen Museum in Nagasaki, das sich dem Schicksal der Zwangsarbeiter widmet. Viele überlebten diese Tortur nicht.

Kobata spart diesen Teil der Geschichte nicht aus: Von 1800 Arbeitern Anfang der 1940er Jahre sei knapp die Hälfte nicht-japanischer Herkunft gewesen. "Diese Leute haben mit ihrem Einsatz die japanische Industrie unterstützt", sagt Kobata auf seiner Tour. "Wenn Sie auf dieser Insel umhergehen, schließen Sie diese bitte in Ihrem Gedenken an die Opfer ein."

Lebensbedingungen

1961, als Kobata hier ankam, hatten sich die Lebensbedingungen im Vergleich zur Kriegszeit stark verbessert. Es sei zwar "nicht wie im Paradies" gewesen, aber doch sehr gut. Wasser, Gas und Strom gab es so früh wie kaum sonst in Japan. Die Haushalte freuten sich über die neusten Geräte wie Waschmaschinen und Fernseher. Strom war kostenlos, genauso wie zwei Flaschen Gas im Monat. Es gab viele Kneipen, und im Inselkino liefen die neusten Filme. Selbst Arbeiter wie Kobata, die nicht beim Hauptkonzern direkt angestellt waren, bekamen doppelt so viel bezahlt wie anderswo.

Allen Annehmlichkeiten zum Trotz litten die Inselbewohner sehr unter der Enge. Kobata musste sich als alleinstehender Mann ein weniger als zehn Quadratmeter kleines Zimmer mit drei weiteren ledigen Minenarbeitern teilen. Mit damals 24 Jahren war er der Jüngste im Raum und in der Hierarchie ganz unten. "Ich musste im begehbaren Schrank schlafen."

Privatsphäre gab es kaum. Wer das öffentliche Telefon benutzte, dem hörten alle in der Schlange zu. Kamen sich junge Leute näher, dann blieb ihnen als einziger Platz für ein Rendezvous die zwei Meter breite und zehn Meter hohe Mauer rund um die Insel. Nur waren sie damit direkt unter den Augen der Kinder, die auf den zu Spielplätzen umfunktionierten Dächern der Häuser herumtollten. "Natürlich konnten es die Kinder nicht lassen, die Pärchen zu stören", erinnert sich Kobata lachend. Er spricht offenbar aus Erfahrung.