"40 Bände, 28.550 Seiten, 1100 Werke und Werkpläne". Diese Zahlen nennt Frank Balke am 18. Februar dieses Jahres in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" als Umfang der Frankfurter Gesamtausgabe der Werke Hugo von Hofmannsthals, deren letzter Band fünf Tage später im S. Fischer Verlag erscheinen sollte.

Wenn auch dieser Projektabschluss alle übrigen Aktivitäten rund um den Dichter in diesem Jahr überstrahlt, so kann doch auch jene Stadt, in der er am 1. Februar 1874 geboren wurde und in der er den Großteil seines Lebens verbracht hat, mit einer Besonderheit aufwarten: Das Wiener Kulturzentrum "Haus Hofmannsthal" begeht am 23. April in speziell dafür angemieteten Räumen desselben Gebäudes die Eröffnung eines Hofmannsthal-Museums.

Gezeigt werden Exponate aus den beiden Wiener Wohnstätten des Dichters - darunter der repräsentative Sekretär, der auf einer zeitgenössischen Fotografie zu sehen ist. Das Möbelstück wurde von dem vielseitigen Künstler Oskar Strnad entworfen, der als (Innen-)Architekt sowie als Bühnenbildner tätig war und in letzterer Funktion unter anderen 1924 die Ausstattung für die österreichische Erstaufführung von Hofmannsthals "Der Schwierige" im Theater in der Josefstadt sowie dessen Inszenierung bei den Salzburger Festspielen 1931 entwerfen sollte.

Bürgerliches Interieur

Hofmannsthal hatte Strnad mit der Ausstattung seiner im Winter 1916 erworbenen Stadtwohnung in der Stallburggasse 2, dem sogenannten Bräunerhof, beauftragt - einem von Arnold Heymann entworfenen Repräsentationsbau, in welchem zeitweise auch Engelbert Dollfuß, Maria Jeritza, Alfred Polgar oder Thomas Bernhard lebten.

Das Hofmannsthal-Museum ist vorrangig ein Versuch einer Annäherung an das bürgerliche Wohn- und Arbeitszimmer des Dichters. So befinden sich im Hauptraum neben dem mit Büchern aus Hofmannsthals Nachlass bestückten Sekretär auch zwei Fauteuils, die als Bestandteil des Interieurs seines Rodauner Wohnhauses nachgewiesen werden können, sowie eine Pendeluhr, Keramikbestände und Gemälde aus dem Besitz Hofmannsthals.

Der in London lebende Enkel des Dichters, Octavian von Hofmannsthal, übergab diesen Teil des Nachlasses mit der Versicherung, er stamme in seiner Gesamtheit aus dem Besitz seines Großvaters. Dessen jüngster Sohn, Raimund (1906-1974), dürfte ihn übernommen und an Octavian weitergegeben haben. Genauere Hintergrund-Informationen über die Historie dieses Gesamtbestandes waren nicht zu eruieren.

Es erscheint in diesem Zusammenhang durchaus angebracht, auch dem Empfänger der Leihgaben respektive dem Betreiber des Museums einige Zeilen zu widmen, zumal diese Institution heuer ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Das im Jahr 2002 von der promovierten Theaterwissenschafterin Evita Luschinsky ins Leben gerufene "Haus Hofmannsthal", Reisnerstraße 37 im dritten Wiener Bezirk, war ursprünglich als Stätte zur Pflege und Verbreitung der Werke Hugo von Hofmannsthals intendiert, der in unmittelbarer Nähe, in der Salesianergasse 12, das Licht der Welt erblickt hatte.

In der Anfangszeit waren die Veranstaltungen thematisch dem Leben und Werk Hofmannsthals verpflichtet: So fand etwa im Oktober 2003 eine Lesung aus dem umfangreichen Briefwechsel zwischen Hofmannsthal und Richard Strauss mit Christian Futterknecht und Peter Matić statt; einige Zeit später konnte man Sylvia Lukan, Florentin Groll und Max Mayer mit Auszügen aus Hofmannsthals "unpubliziertem Briefwechsel mit seinen Eltern" erleben.

Hugo von Hofmannsthal, 1927 fotografiert von Eduard Wasow. 
- © Public domain / via Wikimedia Commons

Hugo von Hofmannsthal, 1927 fotografiert von Eduard Wasow.

- © Public domain / via Wikimedia Commons

Der kürzlich verstorbene Autor Helmut Korherr verfasste eigens einen Text mit dem Titel "Vom Sterben des Dichters Hofmannsthal", in welchem er eine Verbindung zwischen dem "Spiel vom Leben und Sterben des reichen Mannes" und der Biographie seines Autors in den Raum stellt: "In beiden Werken - im Theaterstück von Hofmannsthal und im Monolog über Hofmannsthal - geht es um den Tod, der den Menschen nahezu unvorbereitet trifft. Außerdem und zur Unterstreichung der Problematik habe ich in meinem dramatischen Monolog auch Zitate aus dem ‚Jedermann‘ verwendet."

Einen weiteren Höhepunkt stellte die Lesung von Michael Dangl aus Texten Hofmannsthals dar, die 2013 über das Podium des Kulturzentrums ging.

Erweitertes Programm

Bereits in den Anfangsjahren wurde jedoch evident, dass mit der alleinigen Konzentration auf die Werke Hofmannsthals kein Kulturzentrum auf Dauer erhalten werden kann, und so wurde die Palette an Angeboten erweitert. Lesungen, Konzerte, Podiumsgespräche und Ausstellungen bereicherten das kulturelle Programm des Hauses. So waren unter anderen Christa Ludwig und Peter Schreier, Otto Schenk, Grace Bumbry und Piotr Beczała zu Gast, denen jeweils auch eine Ausstellung gewidmet wurde. Auch Gundula Janowitz und Waltraud Meier gaben im "Haus Hofmannsthal" Einblicke in ihr reiches künstlerisches Leben.

Die Konzentration auf das Leben und Werk Hugo von Hofmannsthals bleibt jedoch zentrales Anliegen. Und so stellt der "Salon Hofmannsthal" einen weiteren Baustein in der Arbeit des Kulturzentrums dar. Im Rahmen der Vorbereitungen ist es dem "Haus Hofmannsthal" obendrein geglückt, eine vollständige Reihe des 1924er-Druckes der zehn Radierungen (um 1920) des steirischen Graphikers Fritz Silberbauer zu Hofmannsthals Jugendwerk "Der Tor und der Tod" zu erwerben. Diese Bildfolge wird in einem Nebenraum des "Salon Hofmannsthal" zu sehen sein.

Cornelius Obonya wird am Abend der Eröffnung aus einigen Texten Hofmannsthals zu dessen Griechenland-Bild rezitieren; und er wird des Dichters Vorstellungen zur Salzburger Festspielidee präsentieren, die durch Hofmannsthal, Richard Strauss, Max Reinhardt und den Dirigenten und Musikologen Bernhard Paumgartner 1920 Realität wurde.

In den Augen der Verantwortlichen fungiert das Museum durchaus auch als ein work in progress. Brygida Waz-Ciezarek, eine wichtige Mitarbeiterin des Hauses, meint dazu: "Wir würden uns sehr freuen, wenn Personen, die die Ausstellung besuchen, uns mitteilen, dass sie das eine oder andere Stück besitzen, das unsere Sammlung bereichern könnte. Wir wären bereit, solche Objekte abzukaufen. Lieber wäre uns jedoch, sie als Spenden oder als Dauerleihgaben entgegenzunehmen."