Und an den Botschafter der Vereinigten Staaten erging folgendes Telegramm: "Die österreichische Bundeshauptstadt und ihre Bevölkerung haben mit Spannung, Anteilnahme und Bewunderung das großartige Ereignis des geglückten Mondfluges verfolgt. Im Namen aller Wiener gestatte ich mir, zu dieser säkularen Leistung zu gratulieren"

Noch im selben Jahr, am 14. November, macht sich Apollo 12 auf den Weg. Charles "Pete" Conrad und Alan Bean betreten am 19. November den Mond, während Richard Gordon den Trabanten umkreist. Am selben Tag findet im Theater an der Wien die Premiere des von Gerhard Bronner "eingewienerten" Musicals "My Fair Lady" statt. Die neueste Musical-Produktion gestaltet sich zu einem großen Erfolg für Gabriele Jacoby, Josef Meinrad, Egon Jordan und vor allem für Hugo Gottschlich, der in der Rolle des "Vater Dolittle" sein Musical-Debüt gab.

U-Bahnbaubeginn

1969 ist auch das Jahr, in dem Richard Nixon amerikanischer Präsident wird, im Fernsehen läuft die "Sesamstraße", in Großbritannien feiert "Monty Python" Erfolge, die britische Armee marschiert in Nordirland ein. Oberst Muamar al Gaddafi kommt in Lybien nach einem unblutigen Putsch gegen die Monarchie an die Macht.

Fußballstar Pelé schießt sein 1000. Tor, der Martin-Luther- King-Mordprozess schürt Zweifel an der Schuld des Angeklagten, Presseberichte über das Massaker von My Lai schockieren die Öffentlichkeit und befeuern die Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg, in Wien beginnt der Bau der U-Bahn, der tschechische Student Jan Palach verbrennt sich in Prag selbst, um gegen die Besatzung durch die Warschauer-Pakt-Staaten zu protestieren, die Radikalisierung der späteren RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof wird regis-triert, im ZDF startet die "Peter Alexander Show", und das internationale Netzwerk "Mufon" zur Erforschung von UFO-Sichtungen wird gegründet.

Deutschland wählt Willy Brandt zum Kanzler, und Charles Manson, der die musizierenden Beach Boys verehrt, lässt von Gefolgsleuten in Hollywood unter Berufung auf die Beatles mehrere Prominente ermorden.

Pop-Fest der Liebe

Sechs Tage später findet "Woodstock" statt (von 15. bis 18. August), das Fest des Friedens und der Liebe. "Das Pop-Versprechen, alles schöner aussehen und klingen zu lassen und am Ende besser, hatte sich erledigt", schreibt der Feuilletonist Michael Pilz in der deutschen Tageszeitung "Die Welt". "Woodstock galt als letzte paradiesische Zusammenkunft im Pop. Die Vertreibung aus dem Paradies folgte im Spätherbst. Bei einem Konzert der Rolling Stones in Kalifornien wurde direkt vor der Bühne der schwarze Jugendliche Meredith Hunter erstochen, von einem Mitglied der Hell’s Angels, die als Ordner auftraten. Die Stones setzten das Konzert fort. Es war das Ende aller Unschuld, nicht der Träume. So wird die Geschichte seit jeher erzählt."