Wie erleben Besucher das Kunstwerk? Sie können hineingehen und sehen darin die Bilder von einigen der Menschen, die in Prijedor ermordet wurden. Ihre Namen werden darin vorgelesen.

Bis heute weigert sich die Stadtverwaltung von Prijedor, ein zentrales Denkmal wie in Sara-
jevo zu errichten, das an die Vertreibungen und Ermordungen erinnert, schüttelt die Künstlerin den Kopf. Mladen Filipovic, Leiter der Vertretung der Republika Srpska in Österreich, weist das zurück: "Unserer Kenntnis nach boten Vertreter der Stadt Prijedor den Opfern, vor allem für die Kinder unter den Opfern, mehrere Standorte für eine Gedenkstätte an, aber die Vertreter der bosniakischen Vereine waren mit keinem dieser Orte einverstanden." Das sei aber nicht das Gleiche, betont Anita Zečić.

Die Künstlerin schaltet den Kompressor wieder aus; die Kuppel bricht in sich zusammen. Danach faltet sie den Stoff und verstaut ihn in der Tasche. "Mein Denkmal kann ich fast an jedem Ort innerhalb kürzester Zeit aufbauen", freut sie sich. "Prijedor 92 ist in der Kunst einzigartig."

Nein, vergessen darf man das Geschehene in Prijedor nicht, findet Anita Zečić. Und gegen das Vergessen kämpft sie seit Jahren an - an verschiedenen Orten, auf verschiedenen Plätzen. Im kommenden Jahr geht sie mit ihrem Denkmal in die USA auf Tournee. Zečić möchte auch hier die Besucher wachrütteln und ihnen die Grausamkeit des Bosnienkriegs näherbringen. "Das bin ich meinem Land, meinem Onkel und den vielen Toten aus meiner Stadt schuldig."