Rasch rotierend, werden solche Titanen beständig Materie ins All geschleudert haben: darunter Elemente, die sie zum ersten Mal erschaffen hatten. Diese Kraftprotze endeten schon nach hunderttausenden Jahren in gigantischen Explosionen - als Supernovae oder als noch viel gleißendere Hypernovae.

Neuere Computersimulationen berücksichtigen Rückkopplungseffekte im Gas einer sich verdichtenden, völlig "metallfreien" Wasserstoffwolke. Demnach mag jede einen Stern schwer wie eine Million Sonnen geformt haben - oder viele Sterne mit jeweils wenigen Dutzend Sonnenmassen. Lässt man die sterngebärenden Wolken stärker fragmentieren, wären auch kleinere Sonnen möglich. Kühle, rote Zwergsterne, um einiges masseärmer als unsere Sonne, sollen aber nicht zur Population III gehört haben. Schade: Denn diese lichtschwachen Gnome gehen extrem sparsam mit ihren Ressourcen um. Nur sie würden immer noch existieren.

Die Ursterne "verschmutzten" das All erstmals mit "Metallen" und legten diese ihren Nachfolgern in die Wiege. Die neuen Elemente, darunter Sauerstoff und Kohlenstoff, kühlten dahintreibende Gaswolken nun sehr viel besser. Diese verdichteten sich jetzt rascher zu Sternen; die Kernfusion setzte früher ein. Die daraus resultierende Strahlung verblies das noch ungenutzte Gas im Außenbereich der Wolken.

Die frühesten Pop-II-Sterne waren daher schon deutlich kleiner, aber auch zahlreicher als ihre Vorgänger. Die genaue Rezeptur ihrer minimalen "metallischen" Beimengungen erlaubt Rückschlüsse auf die Eigenschaften der "metallspendenden" Pop- III-Sterne: Die Kinder geben Auskunft über ihre verstorbenen
Eltern.

Zeitmaschine Teleskop

Vor wenigen Wochen wurde die Entdeckung eines Sterns verlautbart, der mehr als jeder andere an Eisenmangel leidet. Er steckt im Halo unserer Milchstraße, 35.000 Lichtjahre entfernt. Er besitzt 1,6 Millionen Mal weniger "Metalle" als unsere Sonne und gilt als frühester bekannter Pop- II-Stern. Vermutlich wurde er bereits einige Hundert Millionen Jahre nach dem Urknall geboren, also nur ganz kurz nach der Pop- III-Ära.

Das Verhältnis der Elemente Kohlenstoff, Kalzium, Magnesium, Titan, Strontium oder Barium zum Eisen deutet es bereits an: Für diesen Stern spendete keine Hyper-, sondern bloß eine Supernova die "Metalle". Sollte dieser Fall typisch sein, wären die altvordersten Sterne keine Kolosse von hundertfacher Sonnenmasse gewesen; sie hätten unsere Sonne bloß ein Dutzend Mal übertroffen.

Übergewicht ist fatal im All. Je mehr Masse ein Stern an sich rafft, desto mehr Strahlung muss er im Inneren erzeugen. Nur so kann er dem Druck der schweren Gashülle Paroli bieten. Große Sterne verzehren sich daher rasch. Unsere Sonne "lebt" elf Milliarden Jahre, ein Stern von zehnfacher Masse nur 35 Jahrmillionen lang. Deshalb sind die schweren Ursterne längst verloschen; die Suche nach ihnen wäre somit aussichtslos.

Doch Halt: Das Licht besitzt eine endliche Geschwindigkeit. Es braucht Zeit, um uns zu erreichen. Je weiter Astronomen ins All hinaus schauen, umso frühere Epochen sehen sie. Ihre Teleskope sind also auch Zeitmaschinen. Allerdings verliert das Licht während der langen Reise an Kraft. Um möglichst viel davon "einzutrichtern", gieren die Himmelskundler nach immer größeren Teleskopspiegeln.

Sie setzen außerdem auf das James-Webb-Weltraumteleskop. Es soll im Jahr 2021 starten. Sehr weit in die Vergangenheit zurückblickend, mag es vielleicht einzelne Pop-III-Sterne erspähen - falls sie tatsächlich Recken von Millionen Sonnenmassen waren und mit Licht geradezu protzten. Andernfalls ließen sich bestenfalls die letzten Atemzüge von Pop-III-Sternen einfangen - als diese hell als Hyper- oder wenigstens als Supernovae aufstrahlten.