Dieser Strömung im neuen Feminismus wird vorgeworfen, sich an der Geschlechterdifferenz als erstes aller Übel festzuklammern und viele Bereiche der Unterdrückung unsolidarisch auszusparen. Doch allein der Widerstreit zwischen diesen beiden Positionen des extrem vielschichtigen sogenannten neuen Feminismus zeigen eines: Feminismus ist längst kein Nischenthema mehr. Und: Es besteht nach wie vor Handlungsbedarf.

Was so gut wie alle Bewegungen innerhalb des Feminismus - und die Liste ist lang - eint: Sie stellen den einstigen Kampf um Frauenrechte auf eine breitere Basis. Sei es durch das Einschreiben einer generellen Forderung nach Chancengleichheit nach allen erdenklichen Parametern, sei es durch das übergeschlechtliche Nachdenken über bessere gesellschaftliche Rahmenbedingungen für alle. Die Debatten darüber, wie Feminismus neu und breiter aufzustellen sei, werden nicht abreißen. Das ist vielleicht die beste Nachricht überhaupt.

Der größte Stolperstein liegt hier weniger in divergierenden Ansichten. Es ist, wie die Angriffe auf Alice Schwarzer zeigen, einmal mehr die oft beklagte fehlende Solidarität von Frauen untereinander.

Sie könnte sich auf die lange Sicht jedoch als Schlüsselfaktor erweisen. Ein geblockter Kampf Frauen gegen Männer ist wenig erfolgsversprechend, gilt es doch Gräben zwischen den Geschlechtern zuzuschütten. Zielführender scheint hier die aktuelle Suche nach gleichgesinnten Komplizinnen und Komplizen - die eben nicht nur das Geschlecht eint oder trennt.