Karikatur aus dem Jahr 1928. - © Sammlung Peter Payer
Karikatur aus dem Jahr 1928. - © Sammlung Peter Payer

Umfassend war auch die Berichterstattung in- und ausländischer Medien, wobei stets das Kugelhaus die größte Aufmerksamkeit erfuhr - und teils heftige Diskussionen hervorrief. Sprachen die Befürworter von einem "kühnen Versuch" und betonten die Vorteile der Gebäudeform (freiere Durchsicht, geringere Schattenwirkung, Vermeidung unfallträchtiger Straßenecken), reagierten die Kritiker skeptisch bis entsetzt.

Fachkreise bemängelten, dass die Ausstellung durch das prominent platzierte Kugelhaus "hart an den Rand einer Jahrmarktsveranstaltung" gebracht werde. Man sprach vom "Problem des Kugelhauses", empfand es als zu "konstruiert" und "dem allgemeinen Geschmack" widersprechend, wie der Verein Deutscher Ingenieure formulierte. Abwertend prognostizierte man: "Zweifellos von manchem Reiz, dürfte es sich doch nur zu Vergnügungs- und Liebhaberzwecken durchsetzen."

Andere argumentierten weniger diplomatisch. Sie taten, wie eine Salzburger Illustrierte, den Bau als "Kuriosum" ohne Zukunft ab und luden die Leser zu folgendem Gedankenexperiment ein: "Wie sähe eine Straße mit lauter Kugelhäusern aus? Man denke sich nur einmal, unsere liebe Festung Hohensalzburg wäre seinerzeit als Kugelhaus erbaut worden (. . .) Eine Seifenblase zu unseren Häuptern!" Kurzum: eine "phantastische", wenn nicht gar "wahnsinnige" Idee und "zweifellos seltsame Wege", die die moderne Architektur da gehe.

Vor allem populäre Unterhaltungsblätter und humoristische Zeitschriften griffen die teils überaus polemische Kritik auf. Sie visualisierten die Kugelhausstraße als ironisch kommentierte Bildmontage oder zeigten Karikaturen, die die praktischen Vorteile der Kugelform persiflierten. In Leipzig wurde sogar ein Lustspiel mit dem Titel "Im Kugelhaus" aufgeführt.

Hintergrund vieler Kritiken war das Gefühl der unaufhaltsamen Technisierung des Alltags und damit auch der Stadt. Ein Grauen vor der "Monotonisierung der Welt" ging um, wie dies Stefan Zweig schon 1925 in einem vieldiskutierten Essay in der "Neuen Freien Presse" formuliert hatte. Voll Skepsis registrierte man die tollkühnen Hochhausbauten der US-amerikanischen Metropolen. Die kulturelle Eigenständigkeit der europäischen Städte schien in Gefahr.

Mit den in den 1930er Jahren sich verschärfenden ideologischen Gegensätzen radikalisierten sich die einschlägigen Zeitdiagnosen. Am Eindringlichsten formulierte dies der österreichische Kunsthistoriker Hans Sedlmayr.

Er nahm in seinen erstmals 1939 publizierten Ausführungen explizit Bezug auf die Dresdner Ausstellung - und insbesondere auf das Kugelhaus. Schon dass ein Kugelhaus überhaupt in dem Rahmen gezeigt werde, sei Ausdruck von übertriebener Sensationslust, von einem Hang nach allzu viel Inszenierung und Show. Das Gebäude selbst erschien ihm "unsinnig" und ein "schlechter Scherz", wenngleich ein Symptom der Zeit, demonstriere es doch in seiner abstrakten Form den Verlust von Erdgebundenheit und verdeutliche so eine tiefgreifende kulturelle Krise: