In seinem berühmten, 1937 verfassten Essay "Die Natur der Firma" erklärte der spätere Wirtschaftsnobelpreisträger Ronald Coase, wozu Firmen Angestellte haben: Es wäre zu mühsam und zu teuer, für wiederkehrende, auf Dauer angelegte Tätigkeiten jedes Mal einen Dienstleister auf dem freien Markt zu suchen. Mit Algorithmen, die potenziell jede Arbeitskraft dieser Welt erreichen, fällt das Auslagern ganz leicht.

Selbst renommierte Firmen und Institutionen bedienen sich mittlerweile der Crowdworker. Das Prinzip lässt sich noch auf die Spitze treiben: IT-Konzerne organisieren weltweit Projektteams, zerteilen Entwicklungsprojekte in überschaubare Jobs, an denen sich der einzelne Projektteilnehmer abarbeitet. Jede Leistung kann jederzeit ausgewertet werden. Die Mitarbeiter werden einem Screening, Rating und Ranking unterworfen wie sonst nur Mitglieder von Sekten. Der Tod der Firma aus dem Geist der Automation braucht nicht nur eine österreichische oder eine europäische Antwort. Die Forderung nach einem Weltarbeitsrecht klingt keineswegs vermessen.

Industrie 4.0

Es gibt aber auch eine Entwicklung, die das Konzept der Firma stärkt. Sie läuft unter dem Schlagwort "Industrie 4.0". Es bezeichnet eine Utopie, die stückweise Realität wird. Die Firma verwandelt sich in einen kybernetischen Organismus. Die Fabrik neuester Bauart ist in teure Netzwerke gehüllt und fest im Datenfluss globaler Wirtschaftskreisläufe verankert. In ihren Hallen findet etwas statt, das die Forschung cyber-physische Produktion nennt. Kaum ist ein Produkt ersonnen, weiß man auch schon, wie und zu welchen Bedingungen es auf die Welt kommen soll. Die klassische Indus-trie-Choreographie - Arbeitsvorbereitung, Fertigung und Montage - wird flexibel aufgeführt, indem sich die Fabrik, ähnlich einem neuronalen Netz, beständig umkonfiguriert und damit neu erfindet. Sie soll das Kunststück können, Produkte in kleinen Stückzahlen, aber großer Variabilität zu konkurrenzfähigen Preisen auszurollen. Das geht nur mit Robotern, aber nicht ohne Menschen.

Und es will geübt sein. Weltweit entstehen in Zusammenarbeit mit technischen Universitäten Testfabriken, auch in der Seestadt Wien gibt es eine. Und dort, in der antizipierten letzten Ausbaustufe der cyber-physischen Produktion, trifft man auf zwei Wesen, die man so noch nicht gesehen hat: den Werker und seine Menschine.

Die Menschine, das ist ein Assistenzroboter mit allen Merkmalen seiner Spezies. Er ist mobil, autonom, interaktionsfähig und nachgiebig. Er kann umlernen und dazulernen. Er kann sich verhalten. Er ist kollaborativ. Er ist ein "Cobot". Er verfolgt Werker und Werkstücke mit hochauflösenden Kameraaugen. Er hört die Signale durch Mikrofon-Ohren. Er sieht aber keineswegs aus wie Roby. Die Menschine ist ein Roboter von praktischer Gestalt. Als rollendes Montage-Tischlein etwa weicht es dem Werker nicht von der Seite und schleppt sein Werkzeug von einer Station zur nächsten.