Die europaweite Frauenquote in Führungsgremien börsennotierter Unternehmen kommt: Das EU-Parlament nahm am Dienstag in zweiter Lesung ein Gesetz an, wonach bis zum Halbjahr 2026 alle großen börsennotierten Unternehmen in der EU dafür sorgen, dass es mehr Frauen in ihren Führungsetagen gibt.

Mit der Richtlinie, die nun zehn Jahre nach der erstmaligen Vorlage des Vorschlags umgesetzt wird, will man transparente Einstellungsverfahren in Unternehmen erreichen. Ziel ist es, dass bis Ende Juni 2026 mindestens 40 Posten nicht geschäftsführender Direktoren bzw. 33 Prozent aller Unternehmensleitungsposten vom unterrepräsentierten Geschlecht besetzt werden.

In den neuen Vorschriften heißt es, das Hauptkriterium bei den Auswahlverfahren, die transparent sein sollten, müsse auch künftig die Leistung sein. Börsennotierte Unternehmen müssen den zuständigen Behörden einmal jährlich Informationen über die Vertretung von Frauen und Männern in ihren Leitungsorganen vorlegen. Wenn sie die gesetzten Ziele nicht erreicht haben, müssen sie mitteilen, wie sie diese erreichen wollen. Diese Informationen sind auf der Website des Unternehmens in leicht zugänglicher Form zu veröffentlichen.

Transparente Maßnahmen und "wirksame, abschreckende und verhältnismäßige Sanktionen"

Die Mitgliedstaaten müssen "wirksame, abschreckende und verhältnismäßige Sanktionen (z.B. Geldbußen) für Unternehmen vorsehen, in denen es keine offenen und transparenten Einstellungsverfahren gibt", heißt es in einer Aussendung des europäischen Parlaments.

Wenn der von dem jeweiligen Unternehmen gewählte Vorstand gegen die Grundsätze der Richtlinie verstößt, könnte er von einem Gericht für nichtig erklärt werden.

"Dies ist ein Mosaikstein von vielen, aber ein ganz wichtiger. Wir geben Frauen endlich eine faire Chance, in Spitzenpositionen von Unternehmen zu gelangen. Frauen sind klug, sie sind innovativ und sie sind einfach zu vielem fähig", sagte Ko-Berichterstatterin Evelyn Regner von der S&D, Österreich.

Im Jahr 2021 waren im Durchschnitt 30,6 Prozent der Vorstandsmitglieder in den größten börsennotierten Unternehmen der EU Frauen. Wobei es in den Mitgliedstaaten erhebliche Unterschiede gibt: In Frankreich sind es 45,3 Prozent, in Zypern 8,5 Prozent. Zwar nimmt der Frauenanteil in Vorständen zu, doch Frauen stellen auch 2022 noch immer weniger als 10 Prozent der Vorstandsvorsitzenden bzw. Geschäftsführerinnen der größten börsennotierten Unternehmen in den EU-Staaten. (red)