Berlin/Wien. Ein düsteres Bild malen die Ökonomen für die mittelfristige Zukunft des Euroraums. Im Basisszenario wird weder die Arbeitslosigkeit noch die Unterauslastung der Produktion im Euroraum bis 2017 überwunden werden können. Das errechneten das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Berlin, das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und ihr französischer Gegenpart OFCE, ansässig am renommierten Pariser Institut für Politische Studien ("Science Po"), in einem am Mittwoch vorgestelltem Report. Durchschnittlich würde der Euroraum 2013 bis 2017 nur um 0,9 Prozent wachsen, die EU-27 nur um 1,2 Prozent.

Dabei sind in dem Basisszenario noch nicht einmal die neuen Vereinbarungen für den Fiskalpakt vom März 2012 inkludiert - diese zusätzlichen Restriktionen, sollten sie zur Anwendung kommen, würde auch das Basisszenario noch einmal nach unten revidiert.

Im Basisszenario warnen die Forscher vor einer Arbeitslosigkeit von durchschnittlich 12,1 Prozent. "In den Ländern Südeuropas entspricht die Beschäftigungslage einer wirtschaftlichen Depression", schreiben die Forscher. In Griechenland und Spanien sei der Anteil der Menschen ohne Arbeit "sogar höher als 1933 in den von der Weltwirtschaftskrise am härtesten getroffenen Ländern (Deutschland und USA)."

Der Sozialbericht der EU bestätigte diese Woche den Trend: Die Spaltung der Wirtschaftskraft zwischen den Krisenländern in Südeuropa und dem stabileren Norden wird immer größer. Die Arbeitslosenquoten der beiden Regionen lagen 2012 ganze 10 Prozentpunkte auseinander, nach Angaben der EU-Kommission mehr als je zuvor.

Alle Krisenländer der Eurozone sowie die Niederlande gleiten nach der Prognose des Basisszenarios in eine Deflation ab - die Nachfrage bricht so stark ein, dass die Preise für Waren und Dienstleistungen verfallen. "Damit wird der Abbau der staatlichen und privaten Verschuldung nahezu unmöglich."

Außergewöhnliche Situation


Im Ergebnis konterkariere die schleppende konjunkturelle Entwicklung die Sparbemühungen der Regierungen im Euroraum. Daher werden die Staatsschulden trotz aller Konsolidierungsbemühungen im Mittel der Währungszone weiter wachsen: von rund 91 Prozent 2012 auf gut 95 Prozent im Jahr 2017.

"Eine außergewöhnliche Situation wie jene im Euroraum, insbesondere in den südeuropäischen Mitgliedsländern", erfordert laut dem Konsortium der Ökonomen, "außergewöhnliche Maßnahmen".