Wien. Wenn sich der Tonarm senkt, die Nadel in die Rille gleitet und die ersten samtenen Töne erklingen, schlägt das Herz des Schallplattenfans höher. Galt Vinyl bis vor ein paar Jahren noch als ein Relikt aus der Vergangenheit und Liebhaberei von Nostalgikern, die am Wochenende auf Flohmärkten herumstöbern, haben die schwarzen Scheiben heute wieder einen fixen - wenn auch kleinen - Platz im Musikbusiness. In den Regalen des Musikhandels finden sich nicht nur LP-Neuerscheinungen der unterschiedlichsten Richtungen, sondern auch Neuauflagen älterer Alben bekannter Musiker.

In Österreich wurden laut Verband der österreichischen Musikwirtschaft (IFPI) im vergangenen Jahr rund 340.000 Schallplatten verkauft. Der Vinyl-Umsatz blieb mit 7,8 Millionen Euro zwar unverändert zum Jahr davor, und der Marktanteil pendelte sich bei acht Prozent ein, jedoch hatte es in den Jahren davor zweistellige Steigerungsraten gegeben. Vor zehn Jahren lag der Marktanteil gerade einmal bei knapp einem Prozent des damals 185 Millionen Euro schweren Musikmarkts.

Die Herstellung der runden Scheiben läuft derzeit mehr oder weniger noch so ab wie vor hundert Jahren - was sich bald ändern könnte. In der niederösterreichischen Kleinstadt Tulln bahnt sich nämlich eine Revolution in der Schallplattenproduktion an. Mit moderner Lasertechnik will das im Digitalvertrieb tätige Unternehmen Rebeat unter der Leitung von Günter Loibl der Schallplatte ein Update verpassen.

Gemeinsam mit dem Grazer Forschungsinstitut Joanneum Research hat Rebeat ein Verfahren entwickelt, das die Produktion von Schallplatten besser, einfacher und umweltverträglicher macht und gleichzeitig die Qualität und Spieldauer der Platte selbst. Die "HD Vinyl" genannte Erfindung wurde zum Patent angemeldet, und nach ersten Pressemeldungen "war plötzlich die ganze Musikwelt daran interessiert", erzählt Loibl, dessen Mailbox sich quasi über Nacht mit "gefühlt tausend E-Mails" füllte.

Um die Technik zur Marktreife zu bringen, wurde Geld benötigt. Die Finanzierung gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht. "Das war die ärgste Achterbahnfahrt, die ich je erlebt habe", sagt Loibl. Rebeat reichte das Projekt bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG ein, der Antrag wurde abgelehnt. Loibl: "Die FFG wollte, dass das Know-how in der Firma bleibt."

Ein großer dänischer Hersteller von Audio-Zubehör zeigte sich interessiert an Loibls Unternehmen, sprang aber wieder ab. Auch der US-Musikproduzent Tom Misner bekam nach anfänglicher Begeisterung wieder kalte Füße.