Von den 900 Fahrern bei uns sind 90 Prozent freie Dienstnehmer, 10 Prozent sind fest angestellt. Ich möchte keines der beiden Arbeitsverhältnisse aufgeben. Die Festangestellten tragen unsere Grundlast. Sie haben nicht die Flexibilität wie die Freien, die auch eine Schicht absagen können. Dafür haben sie Urlaubsanspruch und Mutterschutz. Es gibt aber auch Leute, denen das egal ist. Die würden schon auch gerne einmal daheim bleiben und trotzdem Geld verdienen. Man kann aber nicht das beste aus beiden Welten auf Kosten des Arbeitgebers haben. Was nicht passieren darf, ist, dass alles in freie Dienstverhältnisse übergeht. Da bin ich voll bei der Gewerkschaft. Das ist aber auch nicht mein Ziel. Es muss aber auch nicht jeder 40 Stunden arbeiten.

Wie sind ihre fixen Arbeitnehmer momentan angestellt?

Sie unterliegen keinem Kollektivvertrag, weil es für die Branche noch keinen gibt. Die Gehälter werden individuell ausgemacht. Echte Dienstnehmer kommen auf knapp über 9 Euro.

Werden Sie den Kollektivvertrag nutzen, sobald es einen gibt?

Ich glaube nicht, dass es für uns zwingend notwendig ist, so wie es immer dargestellt wird. Wir haben ohne Betriebsrat für freie Dienstnehmer die Gehälter erhöht und die Ausrüstung für alle verbessert. Aber wenn es Sinn macht und wir unser Business damit führen können, natürlich. Ich kann verstehen, dass das dem Teil der Fahrer, der das braucht, Sicherheit gibt.

Wie werden die Schichten eingeteilt? Die kalten, verregneten Sonntage werden ja nicht so beliebt sein. Gibt es hier Unterschiede zwischen freien und fixen Fahrern?

Wir versuchen, jede Woche mittels historischer Daten abzuschätzen, wie viele Bestellungen wir zu jeder Stunde haben werden. Nach dieser Kurve vergeben wir die Schichten. Die echten Angestellten sind fix eingeteilt, die freien Dienstnehmer melden sich für jene Schichten an, die wir via App ankündigen. Sonst gibt es keinen Unterschied. Das Wetter können wir noch nicht vorhersagen. Bei einem Regenschauer haben wir aber locker bis zu 20 Prozent mehr Bestellungen.

Sie haben kürzlich ihren Mitkonkurrenten Foodora übernommen. Dort gab es auch einen Betriebsrat. Ist dieser noch aktiv?

Von Foodora wurde alles übernommen. Das Einzige, was sich geändert hat, ist die Farbe.

Die Fahrräder müssen von den Fahrern selbst zur Verfügung gestellt werden?

Wir denken über eine eigene Flotte nach. Aber ich weiß von vielen Mitarbeitern, dass sie mit ihrem eigenen Fahrrad fahren wollen. Da haben sie die Kontrolle, die Sicherheit, weil sie ihr Fahrrad kennen. Viele von unseren Zulieferern sind leidenschaftliche Fahrradfahrer, die wollen nicht umsteigen.

Mjam macht bis heute keinen Gewinn. Dennoch wird die Mutterfirma "Delivery Hero" mit mehr als sechs Milliarden bewertet. Wie realistisch ist diese Bewertung ?

Die Zulieferung ist sehr schwer profitabel hinzubekommen. Die Kosten um den Service herum sind zu hoch. Was Geld bringt, ist die aber App-Plattform, über die wir die Restaurants online schalten. Für den Service verlangen wir pro Bestellung 15 Prozent Provision. Bei einer Bestellung von 20 Euro bleiben da abzüglich direkter Kosten fast drei Euro übrig. Insgesamt macht uns auch der Wettbewerb unprofitabel. Wir haben mit Lieferservice einen starken Konkurrenten. Das ist eine Werbeschlacht. Darüber hinaus stecken wir all unser Geld ins Wachstum, also in Marketing und Eröffnungen in anderen Ländern, um marktrelevant zu bleiben.

Die Bewertung halte ich für gerechtfertigt. Wir haben einen Umsatz von einer Milliarde Euro und wachsen um bis zu 60 Prozent jedes Jahr. Wenn man das auf zehn Jahre hochrechnet, wird unser Umsatz über diesen mehr als sechs Milliarden liegen.