Mit unseren jetzigen Technologien: nein. Es bedarf großer Investitionen in neue, erneuerbare Technologien, um unseren Lebensstandard zu erhalten und auch auszubauen. Die Technologien gibt es im Einzelnen schon. Airbus testet batteriebetriebene Zweisitzerflugzeuge. Aber es braucht auch eine Klimapolitik, die tatsächlich die Weltwirtschaftsströme umlenkt und CO2 bepreist.

Wie teuer muss eine Tonne CO2 werden, um den Ausstoß spürbar zu senken?

Sehr konservative Schätzungen gehen von 40 bis 80 Euro pro Tonne CO2 aus. Also um einiges höher als das Emissionshandelsgesetz in Europa derzeit (25 Euro aktuell, Anm.).

Die meisten EU Staaten lehnen Restriktionen wie eine CO2-Steuer ab und setzen auf Förderungen und Anreize für klimafreundliches Verhalten. Reicht das?

Wenn die Förderungen hoch genug sind, um die Wirtschaft in Richtung hohe Effizienz und niedrigere Emissionen umzulenken, könnte das tatsächlich ausreichen. Eine Kombination aus beidem wäre aber effektiver. Im Endeffekt geht es darum, nicht nur den Gewinn, sondern auch die Kosten meines wirtschaftlichen Handelns zu privatisieren. Derzeit sind die Gewinne privat, die Umweltkosten trägt aber die Allgemeinheit.

Aktiver Umweltschutz bedeutet Verzicht im Privaten: keine Billigshirts aus Bangladesh, keine Avocados aus Thailand, keine Flugreisen . . .

Natürlich ist es das moralisch Richtige, seinen Lebensstil so anzupassen, dass man möglichst emissionsarm lebt. Aber dadurch alleine können wir das Weltklima nicht retten. Es geht um viel mehr, um ein Systemumdenken. Fast jeder ÖBB-Zug, der in den Westen fährt, bleibt im Tullnerfeld stehen. Auf einem Bahnhof, wo es derzeit ein paar große Parkplätze gibt und sonst nichts. Warum? Um es billiger und attraktiver für Wiener zu machen, in den Speckgürtel zu ziehen und dort Einfamilienhäuser zu bauen. Wäre es klimapolitisch nicht besser, Stadtviertel wie Aspern auszubauen und für Jungfamilien attraktiver zu machen? Es ist Verantwortung der Politik, diese "moralischen" Schritte attraktiv für alle zu gestalten. Und ja, ein persönliches Umdenken ist Teil der Lösung, um diese bessere Politik betreiben zu können. Es muss nicht jede Hochzeitsreise auf Bali und jedes Politikergespräch auf Ibiza stattfinden.

Konsumgetriebene Billigproduktion hat vielen Menschen den Zugang zu Wohlstand und wirtschaftlicher Teilhabe ermöglicht. Wenn "moralisches" Verhalten Teuerungen von klimaschädlichen Gütern und Diensten zur Folge hat, steigt nicht die Ungleichheit weiter?

Sie sprechen das größte Problem überhaupt in der Debatte an - Entwicklung versus Umwelt. China hat in den letzten 20 Jahren 300 oder 400 Millionen Menschen durch teils zweistelliges Wirtschaftswachstum aus der Armut geholt, was natürlich zu mehr CO2-Emissionen geführt hat. Ich bin Umweltökonom und befasse mich mit Umweltschutz. Meine Frau ist Gynäkologin. Sie befasst sich mit dem Problem, dass heute noch viele Frauen während der Geburt sterben. Weil es zu wenig Straßen, Krankenhäuser und Zugang zu moderner Medizin gibt. Ein neues Krankenhaus erhöht die Emissionen. Worauf es hinausläuft, ist ein viel inklusiveres, umweltfreundlicheres Wachstum zu ermöglichen, um einer Milliarde Menschen nicht sagen zu müssen: Tut uns leid, wir haben uns gut entwickelt, ihr könnt jetzt leider nicht mehr, weil wir das Weltklima schon versaut haben. Ein Teil der Antwort ist, neue Technologien so billig zu machen, dass jene, die jetzt ihren Wohlstand steigern, nicht dieselben Fehler machen - machen müssen -, die wir gemacht haben.