Wien. Vorsichtig, in kleinen Schritten tasten sich Österreichs größte Energiekonzerne Verbund (Strom) und OMV (Gas und Öl) aneinander heran. Nach der Partnerschaft beim E-Mobilitätsanbieter Smatrics wagen sie nun ihr erstes, gemeinsames Projekt: eine Photovoltaik-Anlage mit 60.000 Modulen auf 200.000 Quadratmeter Freifläche im niederösterreichischen Weinviertel.

Mit Superlativen wurde bei der Präsentation am Montag nicht gespart: Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber betonte immer wieder die "große Dimension", die "gewaltige Anlage", die "gewaltige Initiative". 12 Millionen Euro zahlen die beiden milliardenschweren Unternehmen für die Anlage.

Dass dies nur eine Kleinigkeit sei, angesichts der Tatsache, dass allein das OMV-Gesamtbudget für grüne Energie bei 500 Millionen Euro bis 2025 liegt, wollten Anzengruber und OMV-Chef Rainer Seele nicht gelten lassen. Das sei nur der Startschuss, "wir werden natürlich nicht kleckern, wenn wir gemeinsame Projekte machen", kündigte Seele an.

Die Photovoltaik-Anlage soll Ende 2020 in Schönkirchen und Neusiedl an der Zaya in Betrieb gehen. Die erzeugte Strommenge von 18 Gigawattstunden (GWh) entspricht dem Verbrauch von 5500 Haushalten. 12.000 Tonnen CO2 sollen damit gespart werden.

Unklar, wieviel Geld
investiert werden soll

Drei Memorandums of Understanding unterzeichneten die beiden Chefs der teilstaatlichen Energiekonzerne, um die Zusammenarbeit zu vertiefen. In welcher Dimension, beziehungsweise wieviel Geld in gemeinsame Projekte fließt, ist aber noch unklar. "Da müssen Sie uns noch etwas Zeit geben", räumte Seele ein.

In die Karten blicken ließen sich die beiden Konzerne in ihre Überlegungen für den Bau einer elektrolytischen Wasserstoffproduktion. Dabei wird Strom aus erneuerbaren Energiequellen (etwa Wasserkraft oder Photovoltaik) genutzt, um Wasser elektrolytisch zu spalten. Den so erzeugten "grünen Wasserstoff" will die OMV für chemische Produktionsverfahren nutzen. Damit soll der CO2-Ausstoß aus Industrieanlagen, wie etwa am Raffineriestandort Schwechat, gesenkt werden.

Bei der Methan-Hydrierung geht es um den umgekehrten Vorgang wie bei einer Methan-Verbrennung, bei der CO2 entsteht, erläuterte Seele: Man hat dann durch Recycling von Methan eine Erdgas-Erzeugung implementiert. Das Methan könne dann gespeichert werden.

ÖVP setzt auf
Wasserstoff-Autos

Das Thema Wasserstoff war am Montag auch im Wahlkampf Thema. Die ÖVP kündigte an, mit welchen Mitteln sie - bei einer Regierungsbeteiligung nach den Septemberwahlen - die Umwelt schützen würde. So sollen jährlich 50 Millionen Euro in Unternehmen fließen, die an Wasserstoffantrieben forschen, sagte Parteichef Sebastian Kurz. Bis 2025 soll es flächendeckend Wasserstoff-Tankstellen in Österreich geben.

"Wasserstoffautos sind das letzte, was dem Klimaschutz weiterhilft", kritisiert die Umweltorganisation Virus den Vorschlag der Türkisen. "Wasserstofftechnologie mag im Bereich der Speichertechnologie oder Prozesswärme zukunftsträchtig sein, nicht aber in Form des Wasserstoffautos, das viel ineffizienter als das E-Auto und nicht konkurrenzfähig ist", erläutert Virus-Sprecher Wolfgang Rehm.

Auch Seele ist skeptisch. "Wasserstoff nimmt in Europa nicht Fahrt auf in der Mobilität. Dabei ist uns Japan voraus." Die europäischen Autohersteller würden derzeit auf Strom setzen. "Wasserstoff-Mobilität ist erst etwas, was wir ab 2030 erleben werden."