Droß/Wien. Ein kleines Bäumchen - etwa 50 Zentimeter hoch - mit hellgrünen Nadeln steht auf einer großen Fläche. Diese wirkt wie ein kahler Fleck Erde inmitten höchstem Fichtenwaldes. Bei genauerem Hinsehen ist das Bäumchen jedoch nicht allein, unter dem frisch wachsenden Dickicht sind einige dieser Nadelbäume zu entdecken. "Hier haben wir unter anderem Douglasien gepflanzt", erklärt Martin Schönsgibl, Revierleiter von Droß. Das Waldgebiet liegt im Forstgebiet "Waldviertel-Voralpen" und gehört den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf). Schönsgibl steht lässig mit hellbrauner Lederhose, dunkelgrünen Stutzen und Sicherheitsschuhen auf der "Lichtung" und ist sichtlich stolz, dass die Douglasien wachsen.

Denn diese gelten als "alte Newcomer". Ursprünglich heimisch, verbreiten sie sich momentan vor allem in Nordamerika. Für die ÖBf ein Baum der Zukunft. Denn der schnellwachsende Nadelbaum soll eine Alternative zur Fichte werden. Diese nimmt derzeit etwa 60 Prozent der österreichischen Waldfläche ein.

Krisenbeständige Mischwälder

Lästige Borkenkäfer, Stürme und Trockenheit machen der flachwurzeligen Fichte jedoch immer mehr zu schaffen, so auch auf der besagten Fläche. "Mit dem Klimawandel verändern sich auch unsere Wälder. Wir können diese nicht mehr so bewirtschaften wie bisher, es ist höchste Zeit, umzudenken", sagt Rudolf Freidhager, Vorstand der ÖBf. Er stapft neben Schönsgibl durch das Gelände. Artenvielfalt sei die Lösung, denn Mischwälder sind krisenbeständiger. Neben Douglasien setzen die ÖBf deshalb auch vermehrt auf Lärchen, Tannen, Buchen und andere Laubbäume - diese sind hitzebeständiger. Den konkreten Baum-Mix kreieren die ÖBf standortbezogen, weshalb in Zukunft der Wald sich je nach Region unterschiedlich verändern wird. "Wir müssen heute planen, was in 100 Jahren wachsen soll", sagt Freidhager. Österreichweit untersuchten die ÖBf deshalb 160.000 Waldstandorte auf ihre Beschaffenheit. "Für jedes unserer 120 Forstreviere gibt es nun Bewirtschaftungspläne bis 2100."

Eine leichte Aufgabe scheint es aber nicht zu sein, denn dazu müssen in die Fichten-Monokulturen erstmals andere Baumarten einziehen. Die ÖBf hoffen dabei auf Naturverjüngung. Das heißt, der Wald soll durch angeflogene oder aufgeschlagene Saat selbst Vielfalt hervorbringen ohne dazusetzen zu müssen. "Wirft ein Baum, der schon seit zig Jahren auf diesem Grund und Boden wächst, Saat, wächst diese viel tiefwurzeliger als dazugesetzte Jungpflanzen", sagt Bernhard Funcke, Leiter des Forstgebiets "Waldviertel-Voralpen". Auch er begleitet die Tour durch das Waldgebiet Droß. Haben die Bundesforste vor rund zehn Jahren noch etwa 10 Millionen Jungpflanzen gesetzt, sind es nun nur mehr etwa 1,8 Millionen.

Optimale Lichtverhältnisse

Der Mensch kann die Naturverjüngung unterstützen: Wichtig sind seitens der ÖBf richtige Wildbestände, damit Rehe Jungpflanzen nicht verbeißen, und die Auflockerung des Waldes, um verschiedene Lichtverhältnisse zu schaffen. "Unterschiedliches Licht führt zu verschiedenen Baumarten", sagt Funcke. So brauchen Eichen, Lärchen und Kiefern viel Licht, Buchen Halbschatten und Tannen Schatten, um gut zu gedeihen. Je nach Gebiet müsse dennoch auf Setzlinge zurückgegriffen werden. So etwa auf die Douglasien auf Schöngibls abgeholzter Fläche. Er muss nun darauf achten, dass die schnellwachsenden Douglasien den anderen Bäumen nicht über die Wipfel wachsen, und sie gegebenenfalls stutzen.