Alpbach. (sir) Wer in der Steiermark eine Förderung für den Kindergarten beantragen will, muss ein sechsseitiges Formular ausfüllen und einen Einkommensnachweis beilegen. Das ist zwar keine große Hexerei, aber natürlich wäre es einfacher, wenn alles automatisch ginge, der Bürger, die Bürgerin also gar nichts tun müsste. Das ist nur ein Beispiel. Der Fantasie einer digitalen Republik sind fast keine Grenzen gesetzt, und tatsächlich steckt in dieser Digitalisierung für die Verwaltung enormes Potenzial - an Zeitersparnis, Einfachheit, Verständlichkeit, Effizienz, Kostenreduktion. Gleichzeitig wirkt diese Fantasie mitunter auch bedrohlich, Stichwort gläserner Mensch.

Bisweilen ist die Fantasie einer digitalen Republik schon sehr real. So wird das Bundesrechenzentrum im September in Graz ein Pilotprojekt mit einer digitalen Wallet starten. Die Wallet (deutsch: Brieftasche) ist in gewisser Weise ein digitaler Aktenschrank. In diesen kann beispielsweise der Arbeitgeber digital den Gehaltszettel hineinlegen, und die für Kindergärten zuständige Behörde kann diesen dort auslesen und die Förderung überweisen. Abgesichert ist diese "Wallet" in der Blockchain.

"Das ist ein großer Innovationsschritt"

Diese relativ neue Technologie bringt doch einen großen Fortschritt in Sachen Sicherheit. Denn die Herausforderung bei all diesen Schritten in Richtung einer digitalen Republik besteht darin, die Rechtssicherheit zu gewährleisten und Missbrauch zu vermeiden. "Das ist schon ein sehr großer Innovationsschritt", sagt Matthias Lichtenthaler, der Leiter der Innovationsabteilung im Bundesrechenzentrum.

Denn gleichzeitig soll das Neue, in welcher Form es sich auch immer darstellt, eine Vereinfachung für Bürger sein. Sehr umfassende, mühsame Identifikationshürden sind dahingehend ein Problem, so notwendig sie auch sein mögen. In diese Wallet können theoretisch sehr viele Informationen gespeichert werden. Beispielsweise Zeugnisse. "Es wird sicher weg vom Dokument gehen", sagt Lichtenthaler beim Forum Alpbach. "Ich brauche nur die Informationsbausteine, diese sind wiederverwertbar." Ein Zeugnis mit Wasserzeichen, Stempel und Unterschrift wird es in Zukunft nicht mehr benötigen.

Auch die österreichische Notariatskammer hat sich in einem Projekt mit der digitalen Zukunft beschäftigt, konkret geht es dabei um die digitale Unternehmensgründung. Seit zwei Jahren wird daran gearbeitet, nun ist das Projekt so weit gediehen, dass es noch in diesem Jahr gelauncht werden kann. Es wird dann möglich sein, online eine Firma zu gründen, ohne physisch bei einem Notar zu sein. Auch das kann eine echte Erleichterung darstellen, wenn die Gründer nicht an einem Ort sind oder sogar im Ausland. Unternehmensgründungen dieser Art sind auch ein erklärtes Ziel der EU-Kommission, die heimische Notariatskammer ist hier aber in gewisser Weise in Vorlage getreten.

Ähnlich wie bei der Wallet sind auch hier die Rechtssicherheit und die Missbrauchsvermeidung zentral. Missbrauch ist natürlich auch heute, im Papierzeitalter, da wie dort eine Realität. Lichtenthaler berichtet etwa von gefälschten Gehaltszetteln, um höhere Kredite zu erhalten. Die Digitalisierung, so die Hoffnung, soll die Sicherheit erhöhen.

Cindy Fökehrer, die die Notariatskammer in Brüssel vertritt, berichtete in Alpbach über das zweistufige Identifikationsverfahren bei einer digitalen Firmengründung. Zunächst ist es nötig, sich mit einer digitalen Signatur einzuwählen, der zweite Schritt besteht aus einem Videoidentitätsverfahren, in dem auch der Pass kontrolliert wird. Hundertprozentige Sicherheit bietet das freilich nicht, doch es werden laufend neue technische Möglichkeiten entwickelt. Spannend wird, wie die Möglichkeit der digitalen Firmengründung angenommen wird. Denn eines braucht die digitale Republik jedenfalls - digitale Bürgerinnen und Bürger.