Maurer, Schlosser, Lokführer, aber und Pflegeassistenten - diese Berufe finden sich in der Mangelberufsliste für 2020. Diese wurde als "Fachkräfteverordnung 2020" am 19. Dezember vom Sozialministerium erlassen. Insgesamt befinden sich nun 56 Berufe auf dieser Liste. In diesen Bereichen können Unternehmen Arbeitskräfte aus Drittstaaten für ihre offenen Stellen rekrutieren.

Seit 2019 gibt es zusätzlich zur bundesweiten Mangelberufsliste noch solche für die Bundesländer: In Kärnten gibt es demnach zu wenige Friseure und Maskenbildner, in Niederösterreich fehlen Zuckerbäcker und Glaser, in Oberösterreich Fleischer, Automaten- und Maschineneinsteller. In Salzburg werden zusätzlich zur bundesweiten Mangelberufsliste zum Beispiel noch Maler und Anstreicher gesucht, in der Steiermark Speditionsfachleute, in Tirol und Vorarlberg unter anderem Hotel- und Gaststättenfachleute. Kellner sind in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg gefragt.

Wien und das Burgenland haben keine Extra-Liste von Mangelberufen zusätzlich zu der bundesweiten Aufzählung erstellt. Das einzige Kriterium, um ein Mangelberuf zu werden, ist die Stellenandrangszahl: Kommen zu einem gewissen Stichtag auf eine offene Stelle 1,5 Bewerber oder weniger, herrscht in diesem Beruf ein Fachkräftemangel.

Heuer sind 45 Berufe
auf der Liste

Seit 2015 gibt es diese Liste, seit damals ist sie - nach einem kleinen Rückgang 2016 - immer länger geworden: 2015 befanden sich darauf elf Berufe, 2016 ging die Anzahl der Mangelberufe auf 8 zurück, um 2017 wieder auf 11 und in weiterer Folge auf 24 im Jahr 2018, 45 heuer und auf 56 für 2020 anzusteigen. Dieser Anstieg ist zwar einerseits ein gutes Zeichen, da es aufgrund der guten Konjunktur weniger Arbeitslose und daher weniger Bewerber für offene Stellen gibt.

Andererseits werde dadurch auch klar, dass alleine die Stellenandrangsziffer zu wenig Aussagekraft habe, ob es einen Fachkräftemangel in einem Bereich gibt, wie Gernot Mitter, Arbeitsmarktpolitikexperte der Abteilung Arbeitsmarkt und Integration in der Arbeiterkammer Wien, sagt. Vielmehr sollten - wie in Deutschland - auch Merkmale wie die Lehrlingsausbildung oder die Entwicklung der Einkommen in diesen Berufen einbezogen werden. Denn, so Mitter: "Die Ausbildung von jungen Menschen oder Arbeitslosen zu den gesuchten Fachkräften wird eingeschränkt, wenn man den Unternehmen immer wieder zusätzliche Arbeitskräfte aus Drittstaaten zur Verfügung stellt."

Eine von mehreren Stellschrauben

Margit Kreuzhuber, stellvertretende Leiterin der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer Österreich, entgegnet, dass angesichts des Fachkräftemangels an vielen Stellschrauben gedreht werde: "Wir brauchen qualifizierte Zuwanderung genauso wie verstärkte Aus- und Weiterbildung. Hier leisten die Betriebe sehr viel: Die Zahl der Lehrlinge ist im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent gestiegen (November 2019 gegenüber November 2018)."

Für Kreuzhuber ist die Mangelberufsliste vor allem eine gute Möglichkeit, um zu kommunizieren, in welchen Berufen es einen Bedarf an Arbeitskräften gibt. Doch fehlt ihr eine ausreichende Flexibilität bei der Bewertung mitgebrachter Qualifikationen von Drittstaatsangehörigen, da diese Ausbildungen meist nicht leicht mit dem österreichischen dualen System vergleichbar sind.

Für Mitter von der Arbeiterkammer hat die Mangelberufsliste in den fünf Jahren ihres Bestehens in erster Linie zur Zuwanderung aus Drittstaaten in Branchen geführt, die "relativ wenig tun für die Ausbildung und die mit Sicherheit zu wenig tun für attraktive Arbeitsbedingungen". Das ist - neben der fehlenden Lehrlingsausbildung - für Mitter ein weiterer Grund, warum Berufe wie Dreher, Schweißer, Fräser, Dachdecker oder das diplomierte Gesundheits- und Krankenpersonal jedes Jahr aufs Neue in der Mangelberufsliste aufscheinen.