Es wird ein zäher Start werden für die heimische Hotellerie. Denn die Grenzen zu den Nachbarn sind noch dicht, der internationale Flugverkehr noch weitgehend lahmgelegt.

Ab heute, Freitag, dürfen österreichweit Hotelbetriebe wieder aufsperren. Ungewiss ist jedoch, wie viele Betriebe ihre Rezeptionen gleich wieder besetzen werden. Laut Wirtschaftskammer Österreich öffnen heute nur 40 bis 50 Prozent der Beherbergungsbetriebe wieder ihre Türen. In Städte werden sich die Gäste wegen der Enge vermutlich erst später wagen. Betriebe in ländlichen Regionen mit Seen und Wandergebieten profitieren hingegen.

Dennoch sind die Buchungszahlen verhalten. Laut Österreichischer Hoteliervereinigung (ÖHV) liegt die Auslastung im August bei 32,7 Prozent. Im Vorjahr waren es 74 Prozent. "Der August ist der stärkste Monat. Damit kann kein Betrieb arbeiten", sagt ÖHV-Sprecher Martin Stanits.

Abhängig von den Deutschen

Viele Hotelbetten werden also auch in den kommenden Wochen leer bleiben. Fraglich bleibt, ob und wann die Gäste wieder kommen - vor allem jene aus dem Norden. Deutsche Urlauber machen rund ein Drittel aller 152 Millionen Nächtigungen hierzulande aus. Hotelbetriebe klammern sich deshalb an den 15. Juni. Denn an diesem Tag soll die deutsche Reisewarnung für die EU fallen, deutsche Gäste dürften dann wieder einreisen.

Wie stark manche Regionen und Gemeinden von ausländischen Gästen abhängig sind, zeigen Daten zu Nächtigungen der Statistik Austria, die die Rechercheplattform "Addendum" ausgewertet hat. Auffallend ist ein Ost-West-Gefälle. Während in Vorarlberg und Tirol hauptsächlich ausländische Gäste nächtigen, sind es in Niederösterreich, der Steiermark und im Burgenland eher Österreicher. Wien als Destination internationaler Gäste bildet eine Ausnahme.

Ein Ort sticht in der Statistik besonders hervor. Die 5000-Einwohner-Gemeinde Mittelberg in Vorarlberg. Mit knapp 950.000 ausländischen Nächtigungen im vergangenen Jahr zählt er zu den Touristenhochburgen, noch vor Zell am See und Saalbach-Hinterglemm. In dem malerischen Ort urlauben zu 90 Prozent deutsche Gäste. Der Ort gehört zur Enklave Kleinwalsertal. Man erreicht ihn auf der Straße nur aus der bayerischen Gemeinde Oberstdorf - wenn die Grenzen offen wären.

Max Kaufmann sperrt deshalb erst am 11. Juni auf. "Für diesen Tag habe ich vier Gäste. Dabei war der Juni voll", sagt der Geschäftsführer des Hotels "Alte Krone". 106 Betten hat sein Traditionsbetrieb, normal wäre zu dieser Zeit alles ausgebucht. Weil die Grenzen zu Deutschland dicht sind, lohne es sich nicht, jetzt schon aufzusperren. Ohnehin sei es schwierig, vorauszuplanen. "Die Leute stornieren von einer Woche auf die andere", sagt Kaufmann.

Der Hotelinhaber wollte seinen Gästen entgegenkommen und hat ihnen eine flexible Stornierung angeboten. Sie können eine Woche vorher kostenlos absagen. Das stellt sich nun als Problem heraus. Denn Kaufmann kann mit seinem Personal nicht richtig planen. Seine Mitarbeiter hat er in Kurzarbeit geschickt. Zurückholen muss er aber einen Großteil von ihnen. "Für den Hotelablauf brauche ich 15 bis 20 Leute, egal ob wir drei oder 30 Gäste haben", sagt Kaufmann.


Noch zögern die Gäste aber. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung von Covid-19 sei das größte Problem. Viele seiner Gäste sind betagte Stammgäste aus Deutschland. "Sie haben Angst, dass sie sich anstecken und danach in Quarantäne müssen", sagt der Hotelier. Aktuell gibt es im Bezirk Bregenz, zu dem das Kleinwalsertal gehört, nur zehn Covid-19-Fälle.

Gäste erzählen ihm, es sei einfach nicht mehr der Urlaub, den sie kennen würden. Kaufmann stöhnt angesichts der vielen Auflagen, die er etwa für Sauna und Schwimmbad erfüllen muss. 14 Gäste darf er maximal ins Becken lassen, um den Sicherheitsabstand zu gewährleisten. Die Sauna dürfen die Gäste nur einzeln benutzen.

Kaufmann rechnet mit einer Auslastung von 40 Prozent. "Tendenz fallend, wegen der Stornierungen", sagt er. Ab 15. Juni würden die Buchungen wieder ansteigen, darauf verlassen kann er sich jedoch nicht. Um sein Hotel kostendeckend zu führen, bräuchte er aber 50 bis 60 Prozent Auslastung. Bis heute, schätzt Kaufmann, hat er rund 350.000 Euro Umsatz eingebüßt.

"Ausländische Gäste sind für die Vorarlberger Tourismusbetriebe überlebenswichtig", sagt Vorarlbergs Tourismusdirektor Christian Schützinger. Im Ländle trägt der Tourismus 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. In einzelnen Regionen wie dem Montafon oder dem Kleinwalsertal ist der Anteil sogar noch höher.

Die Buchungen in Vorarlberg seien derzeit noch verhalten, sagt Schützinger. Bei Wellness-Angeboten spüre man eine Zurückhaltung. "Vielen Gästen ist zu ungewiss, wie die Bestimmungen umgesetzt werden", sagt der Touristiker. "Aktuell können ja nur Österreicher mit Gewissheit ihren Urlaub planen", sagt er. Familien würden sich ihr Quartier für die Schulferien sichern. Man hoffe auf die deutschen und Schweizer Gäste. Nur rund 15 Prozent der Hotelbetriebe würden ab heute aufsperren, im Laufe des Juni bis zu 60 Prozent.

Auch in Osttirol warten viele Betriebe auf die Öffnung der Grenzen. Neben deutschen und österreichischen Urlaubern ist die Region auch bei Italienern beliebt. In der Gemeinde Heinfels war 2019 jeder zweite Urlauber aus Italien. In der Nachbargemeinde Sillian liegt der Anteil italienischer Gäste bei 38 Prozent.

Zurückhaltung bei den Buchungen

Markus Gesser führt im Ort das gleichnamige Hotel. Nur wenige Kilometer trennen sein Hotel von der italienischen Grenze. Gesser sagt, die Nähe zu Italien sei ein Glück für den regionalen Tourismus. Seit Corona sei es jedoch ein Schaden. "Die Grenze muss so schnell wie möglich wieder geöffnet werden", fordert Gesser. 35 Betten hat er im Angebot, ein kleiner Betrieb, der seit mehr als 60 Jahren existiert. Schon sein Vater und Großvater lebten von den Fremden. "Wir haben alle anderen Krisen auch überstanden", gibt sich Gesser optimistisch.


Trotz geschlossener Grenzen sieht die Buchungslage in seinem Betrieb nicht schlecht aus. "Der September ist bescheiden, aber bis Ende August habe ich über 50 Prozent Auslastung", sagt der Hotelinhaber. Er stellt sich aber darauf ein, dass heuer viele Urlauber kurzfristig buchen werden.

Bisher haben überwiegend deutsche und österreichische Gäste bei ihm ein Zimmer reserviert. Normalerweise beherbergt er aber auch viele Gäste aus Italien, erzählt Gesser. Derzeit herrsche allerdings noch Zurückhaltung bei den Buchungen. Viele italienische Gäste kommen seit Jahren zu ihm, mit einigen stehe er in telefonischem Kontakt. "Wenn sie reindürfen, kommen sie alle", sagt Gesser. Er ist optimistisch und rechnet Anfang Juli mit den ersten Gästen aus dem Süden.

Ob die Grenzen zu Italien bald geöffnet werden, ist ungewiss. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) dämpfte am Donnerstag jedenfalls die Erwartungen.