Man hatte sich gut vorbereitet, ein Corona-Sicherheitskonzept für die Weihnachtsmärkte erarbeitet, jeder Markt hatte es noch individuell angepasst. Anfang Oktober war alles fertig. Dann kam der zweite Lockdown und bald war klar: Im November wird es schon einmal nichts mit Christkindlmarkt & Co. Hunderte Standler, Veranstalter und Zulieferer in ganz Österreich warten seither auf einen Plan der Politik, wann es endlich losgehen soll. Und fragen sich, ob das heuer überhaupt noch etwas wird.

"Wir hängen in der Luft!"

"Wir wissen kein Datum, unser fertig ausgearbeitetes Sicherheitskonzept gilt nicht mehr und jeder wartet, wie es weitergeht. Wir hängen in der Luft!", beschreibt es Gerhard Lackstätter, Obmann der Wirtschaftskammer (WKÖ) für den Markthandel in Österreich, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Besonders ärgert Lackstätter, dass kein Zeitrahmen bekannt ist, innerhalb dessen die Entscheidung pro oder kontra Weihnachtsmärkte getroffen wird. "Erfahren wir, dass es losgeht, brauchen wir noch eineinhalb bis zwei Wochen Vorlaufzeit, bis jeder Markt loslegen kann. Wenn die Politik bis Freitag diese Woche nichts entscheidet, dann hat sich das für heuer erledigt."

Alexander Hengl von der Magistratsabteilung 59 (MA 59), in Wien zuständig für "Gelegenheitsmärkte", zu denen auch die Weihnachtmärkte zählen, sieht die Situation ähnlich: "Im Oktober hieß es, die Weihnachtsmärkte werde es geben, unter Covid-19-Sicherheitsbestimmungen, ab 13. November werde es losgehen. Anfang November kam die neue Verordnung und untersagte bis 6. Dezember alle Weihnachtsmärkte. Theoretisch können die Märkte in Wien am 7. Dezember mit dem Konzept, das ab 13. November hätte gelten sollen, loslegen. Auch unsere Bewilligungen sind nach wie vor gültig."

18 Wiener Märkte am Start

Hengl zeigt sich jedenfalls zuversichtlicher als Lackstätter, was die Vorlaufzeiten "seiner" Weihnachtsmärkte betrifft: "Manche Märkte sind bereits fertig aufgebaut, wie im Alten AKH. Die können innerhalb von ein bis zwei Tagen aufsperren. Bei anderen, wie in Schönbrunn, sind die Stände noch gar nicht aufgebaut. Da wird es länger dauern."

Auch am Spittelberg ist man zwar bereit, aber: "Valide Informationen haben wir immer noch nicht. Wir arbeiten auf den 7. Dezember hin und müssen auf alles vorbereitet sein", formuliert es Michael Schmid, Sprecher des Weihnachtsmarktes am Spittelberg. Aber kann das heuer überhaupt ein Geschäft werden, ohne Touristen? Am Spittelberg tut man sich da leichter, kommt doch ein Großteil der Besucher aus Wien, sogar aus dem eigenen Bezirk, erläutert Schmid. Jeder Besucher konsumiert übrigens im Schnitt 25 Euro auf einem heimischen Weihnachtsmarkt, den Spittelberg besuchen alle Jahre wieder etwa eine halbe Million Menschen. Der Schaden könnte also beachtlich werden.

Bislang hat übrigens kein einziger Markt in Wien aufgegeben, alle 18 Märkte mit ihren 852 Ständen warten auf einen politischen Startschuss. Anders sieht es in den Bundesländern aus. Viele der kleineren Märkte vermeldeten dort bereits im November, dass sie heuer gar nicht aufmachen werden. Nur die größeren Märkte warten noch auf ein Startdatum. Und die Politik? Auf Anfrage der "Wiener Zeitung" hieß es am Montag aus dem Gesundheitsministerium: Am Mittwoch werde der Kanzler nach dem Ministerrat alle Entscheidungen bekanntgeben.

Und wer nun seinen Kummer hinunterspülen will: Offene Punschstände gibt es jetzt schon. "Die fallen unter Straßenstandsbewilligung und dafür ist die MA 36 zuständig", so Hengl von der MA 59. Tatsächlich dürfe man sich den Punsch dort nur holen. Laut Covid-19-Gesetz ist der Verzehr im Umkreis von 50 Metern nicht erlaubt. "Das ist Gastronomie und hat mit den Weihnachtsmärkten nichts zu tun."