Gastronomie und Hotellerie öffnen am Mittwoch - nach fast sieben Monaten - wieder ihre Pforten. Das sollte nicht nur die heimische Wirtschaft weiter in Schwung bringen, sondern auch dem Arbeitsmarkt positive Impulse geben. "Wir dürfen eine nachhaltige Entspannung erwarten", sagte Arbeitsminister Martin Kocher am Dienstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Tourismusministerin Elisabeth Köstinger und Finanzminister Gernot Blümel, alle ÖVP.

Kocher geht davon aus, dass rund 150.000 Menschen in den nächsten Wochen wieder in (volle) Beschäftigung kommen sollten - davon circa 130.000 aus der Kurzarbeit und etwa 20.000 aus der Arbeitslosigkeit. Dies werde die Arbeitslosenrate wie schon in den vergangenen vier Monaten weiter nach unten drücken. Der Minister hofft, "dass wir im Sommer auf ein Niveau der Arbeitslosigkeit kommen, das zwar immer noch hoch ist, aber nicht mehr Rekordniveaus erreicht".

Fragezeichen wegen zu erwartender Pleitewelle

Inwieweit eine Insolvenzwelle bei den Unternehmen die erwartete weitere Entspannung am Arbeitsmarkt negativ beeinflussen könnte, wollte Kocher jedoch nicht sagen. "Die Entwicklung der Betriebe ist schwer vorauszusagen", betonte der ehemalige Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS). Mit Blick auf die überaus niedrigen Insolvenz-Zahlen des Vorjahres, bedingt durch die staatlichen Corona-Hilfen, räumten er und Blümel aber einen "Nachholeffekt" bei Firmenpleiten ein. Beide rechnen allerdings nicht damit, dass es hier zu einer großen Welle kommt.

Zuletzt ist die Zahl der Arbeitslosen in Österreich im Wochenabstand um circa 6.000 auf rund 343.000 Betroffene gesunken. Wie es am Dienstag hieß, handle es sich dabei um eine Schätzung. Der Grund dafür: Das Arbeitsmarktservice ist gerade dabei, seine IT umzustellen. Wie in der Vorwoche dürften laut Kocher auch ungefähr 77.000 Menschen derzeit in Schulungen sein. In Summe haben demnach aktuell wohl rund 420.000 Personen keinen Job.

Zur Kurzarbeit vorangemeldet sind gegenwärtig rund 320.000 Leute, wie Kocher weiter mitteilte. Was die von der Regierung geplante Verlängerung der Kurzarbeit betrifft (für den Fall, dass sich die wirtschaftliche Lage coronabedingt verschlechtert), sei man bereits in "intensiven Gesprächen mit den Sozialpartnern", berichtete der Arbeitsminister. "Wir sind auf gutem Weg." Eine Lösung stellte Kocher in ein bis zwei Wochen in Aussicht.

Gratis-Corona-Tests für ausländische Urlauber

Bleibt Österreich von weiteren Schließungen verschont, sollte seine Wirtschaft nach Einschätzung von Blümel bis Herbst wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht haben. Bis zu 20 Milliarden Euro mehr Wertschöpfung als derzeit sind aus Sicht des Finanzministers möglich. Jüngste Prognosen bescheinigen der heimischen Wirtschaft für das Gesamtjahr ein Wachstum von 3,0 bis 3,5 Prozent. Blümel hofft, dass diese Prognosen übertroffen werden können.

Viel wird freilich davon abhängen, wie sich das für Österreich so wichtige Tourismusgeschäft entwickelt. In Normaljahren liegt der Anteil ausländischer Urlauber an den Nächtigungen immerhin bei rund 70 Prozent. Die Ferienhotellerie sei jedenfalls bereits bis nach August "gut gebucht", sagte Köstinger. Wie die Tourismusministerin weiter bekanntgab, werde es auch für ausländische Touristen kostenlose Corona-Tests in den öffentlichen Teststraßen geben, um den Gästen die Einhaltung der Zutrittsvoraussetzungen zu Hotels und Restaurants zu erleichtern.