Die Pandemie hat den Flughafen Wien aufgrund des stark dezimierten Passagieraufkommens bisher 1,3 Milliarden Euro Umsatz gekostet. Der gesamten österreichischen Luftfahrtbranche (inklusive AUA) seien in diesen knapp zwei Jahren mehr als 5 Milliarden an Erlösen verloren gegangen, sagte Flughafen-Vorstand Günther Ofner am Dienstag. Was Österreichs größten Airport betrifft, so dürften sich die Umsatzausfälle zwar nicht so rasch wieder ausbügeln lassen. Doch dank der 2020 eingeleiteten Einsparungen und der Staatshilfen (vor allem in Bezug auf die noch bis März auf Kurzarbeit gesetzten 5.000 Mitarbeiter) sollte es heuer möglich sein, schwarze Zahlen zu schreiben und damit die Verlustzone hinter sich zu lassen.

"2022 soll das Jahr des wirtschaftlichen Turnarounds werden", erklärte Ofner in einer virtuellen Pressekonferenz. Konkret rechnen er und sein Vorstandskollege Julian Jäger bei einem Umsatz von 560 Millionen Euro mit einem Betriebsergebnis (Ebitda) von 172 Millionen und einem Nettogewinn von 20 Millionen Euro. Auch eine Dividende soll wieder ausbezahlt werden, nachdem die Aktionäre, darunter die mit je 20 Prozent beteiligten Länder Wien und Niederösterreich, drei Jahre leer ausgegangen sind.

Schleppende Erholung

Dem Ergebnisausblick zugrunde liegt die Annahme, dass die Zahl der Passagiere heuer trotz eines pandemiebedingt schwachen ersten Jahresviertels deutlich steigen sollte - auf insgesamt 17 Millionen. "Wir sehen die Situation vorsichtig optimistisch, obwohl die Corona-Infektionszahlen derzeit stark in die Höhe gehen", sagte Jäger. Der Wunsch nach Reisen sei jedenfalls ungebrochen hoch, Lockerungen der Reisebestimmungen bewirkten automatisch kräftige Passagierzuwächse. Vor diesem Hintergrund hoffen die Flughafen-Chefs auf ein starkes Sommergeschäft - mit vielen Urlaubsreisen. Schwer einschätzen lasse sich mit Blick auf die weitere Entwicklung der Pandemie hingegen das Geschäft im Herbst.

Sollte der Flughafen Wien das für heuer angestrebte Passagiervolumen erreichen, wären dies laut Jäger erst knapp 54 Prozent des Vorkrisen-Niveaus. Das zeigt, wie schleppend die Erholung in der Branche läuft. Schon im vergangenen Jahr ging es mit der Zahl der Reisenden deutlich - um ein Drittel auf 10,4 Millionen (Stand von 1998) - hinauf. Allerdings lag sie damit gut 67 Prozent unter dem Niveau von 2019 (siehe Grafik). Zum Jahr 2021 merkte Jäger an, dass es bei Flügen innerhalb Europas und nach Nordamerika zwar aufwärtsgehe, sich das Flugaufkommen nach Fernost von der Virus-Krise bisher aber überhaupt noch nicht erholt habe. Als nach wie vor schwach habe sich auch der Geschäftsreiseverkehr erwiesen.

Platzhirsch in Wien-Schwechat war auch 2021 die Lufthansa-Tochter AUA. Auf sie entfiel - gemessen am Passagiervolumen - ein Marktanteil von 48 Prozent. Zweitwichtigster Carrier war mit 18,8 Prozent der irische Billigflieger Ryanair (mit seine Marke Lauda), gefolgt vom ungarischen Low-Cost-Rivalen Wizz Air (8,7 Prozent) sowie Turkish Airlines (3,1 Prozent). Wie Jäger sagte, sei bei Ryanair und Wizz von einem anhaltenden Preiskampf auszugehen. Indes hätten andere Billigfluglinien in Wien-Schwechat während der Krise zurückgesteckt.

Wieder Investitionen geplant

Falls sich die Erholung wie erwartet fortsetzt, will der Flughafen seinen pandemiebedingten Investitionsstopp wieder aufheben und seinen Ausbau vorantreiben. Zunächst würde dabei die Süderweiterung des Terminals 3 auf der Agenda stehen, kündigte Ofner an. Wegen der aktuellen Passagierzahlen vorerst weiter kein Thema sei jedoch der Bau der dritten Start- und Landebahn, wenngleich dieses Projekt langfristig weiterverfolgt werden solle.

Von der Politik forderte Ofner, dass man die Einnahmen aus CO2-Steuern und dem Emissionszertifikate-Handel bei der Luftfahrt für die Förderung von CO2-neutralem Kerosin zweckwidmen sollte. Sonst drohten Tickets massiv teurer zu werden, was sozialpolitisch nicht vertretbar wäre. Denn auch Familien mit Kindern und Pensionisten sollten sich Flugreisen leisten können, betonte Ofner.