Neue Zeiten brechen in der Landwirtschaft an. Die neue EU-Agrarpolitik (GAP) wird künftig auf biologische und klimaschonende Bewirtschaftungsformen setzen. Das hat finanzielle Folgen für Bäuerinnen und Bauern. Um weiter Förderungen in ähnlicher Höhe zu erhalten, müssen sie mehr auf Klima und Artenschutz achten.

"Wer mehr für Umweltschutz, für Klimaschutz, für Artenvielfalt leistet, wird auch entsprechend stärker mit Ausgleichszahlungen bedacht", sagte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) in einer Pressekonferenz mit Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger und Bauernbund-Präsident Georg Strasser (ÖVP).

Die Zahlung pro Hektar Fläche sinkt von 288 auf 208 Euro. "Die Umsetzung der Agrarpolitik wird nicht für jeden Betrieb besser werden", sagt die Ministerin. Im Gegenteil: "Die Landwirtschaft
muss mehr leisten", sagt sie. Im Zentrum wird die Qualität der Lebensmittel stehen, der Anteil der Bio-Landwirtschaft soll erhöht werden. Derzeit liegt der heimische Bio-Anteil bei 26 Prozent, gemessen an den Agrarflächen.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger. 
- © apa/Neubauer

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger.

- © apa/Neubauer

Da der Bio-Anteil EU-weit von derzeit acht Prozent steigen soll, fürchten Österreichs Bauernvertreter, dass die Nachfrage womöglich nicht mit dem höheren Bio-Angebot mitwächst und deshalb der Druck auf die Preise steigt. Köstinger versprach, hier in den öffentlichen Beschaffung einen Schwerpunkt zu setzen.

Durch Gelder für mehr Umweltschutz soll es aber möglich sein, finanzielle Einbußen zu kompensieren, sagte Köstinger. "Wir haben ein Angebot und System geschaffen, mit dem jeder Betrieb für sich ein eventuell entstehendes Minus durch das ÖPUL-Programm ausgleichen kann."

Als Beispiel nannte Köstinger einen Ackerbaubetrieb mit rund 100 Hektar, der durch eine Teilnahme am Agrarumweltprogramm ÖPUL, etwa durch umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung, weiter rund 40.000 Euro an Subventionen erhält. Ein Bauernhof mit Mutterkuhhaltung und 20 Hektar könne die Fördersumme durch eine verlängerte Weidehaltung und einer neuen Maßnahme fürs Grünland, welche Humuserhalt und Bodenschutz fördern soll, von bisher 18.000 auf über 20.000 Euro steigern, sagte Köstinger.

"Ein Drittel der Lebensmittel landet im Müll"

Die Landwirtschaft in Österreich werde sich weiterentwickeln müssen, sagte Moosbrugger. So soll etwa in der Viehhaltung mehr auf Tierwohl und im Ackerbau mehr auf das Thema Fruchtfolge geachtet werden.

Es brauche aber auch ein Umdenken der Gesellschaft. "Ein Drittel der Lebensmittel landet im Müll", sagt er. "Ich verstehe daher das Gejammere über teure Preise nicht. Da brauchen wir eine Wertediskussion."

Auch die Handelsketten nimmt er in die Pflicht. "Alles wird teurer, nur die Lebensmittelpreise nicht."

In der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) stehen ab dem nächsten Jahr rund 1,6 Milliarden Euro pro Jahr direkt für die heimischen Landwirte zur Verfügung, eine Steigerung um 73 Millionen Euro. Damit soll die Landwirtschaft in Österreich - wie auch in der EU - ökologischer werden. Die Landwirtschaft ist nach der Industrie und dem Verkehr für ebenso viele CO2-Emissionen verantwortlich wie der Gebäudesektor. Vor allem in der Fleischproduktion und beim Düngemitteleinsatz gibt es Einsparungspotenziale.