Wien. Raiffeisen International (RBI), Uniqa, VIG - zahlreiche heimische Firmen sind in der Ukraine und in Russland tätig. Am Tag nach dem Angriff sind die Aktienkurse der großen, dort tätigen Unternehmen eingestürzt (siehe Seite 9). Die wirtschaftlichen Verflechtungen mit beiden Ländern sind groß. Ob der Staat mit Steuergeld und milliardenschweren Rettungspaketen einspringen muss, ist noch unklar.

Österreichs Firmen sind mit rund 200 Niederlassungen und Investitionen von 1,59 Milliarden Euro der sechstgrößte ausländische Investor in der Ukraine. Unter den Niederlassungen befinden sich viele Produktionsstätten, etwa die der Skihersteller Fischer und Blizzard. Ebenfalls stark präsent sind die Raiffeisen Bank International sowie die Versicherer Uniqa, Grawe und die Vienna Insurance Group. Das Handelsvolumen zwischen Österreich und der Ukraine belief sich 2021 von Jänner bis November auf rund 1,5 Milliarden Euro. In Russland sind rund 650 österreichische Unternehmen mit Investitionen von rund 4,6 Milliarden Euro aktiv, umgekehrt rund 500 russische Firmen in Österreich mit rund 21,4 Milliarden Euro. Russland ist Österreichs zweitgrößter ausländischer Direktinvestor.

Unsicherheitsfaktor US-Sanktionen

Heimische Banken sind im aktuellen Konflikt besonders exponiert, allen voran die RBI. Das Exposure der österreichischen Banken in Russland ist mit 15,4 Milliarden Euro im internationalen Vergleich hoch. "Heute wäre es verfrüht, die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Entwicklungen abzuschätzen. Unsere Banken in Russland und in der Ukraine sind gut kapitalisiert und finanzieren sich selbst", heißt es auf Anfrage aus der RBI. "Wir erwarten weitere Sanktionen und nehmen an, dass diese zielgerichtet sein werden und nicht Personen und Unternehmen treffen, die an der Eskalation nicht beteiligt sind."

Laut aktuellem Stresstest könnte die RBI einen Entfall des Russland- und Ukraine-Geschäfts verkraften. Dafür ist die Bank ausreichend kapitalisiert. Es wäre aber ein sehr schmerzhafter Verlust. Allein auf das Russland-Geschäft entfielen 2021 satte 474 Millionen Euro an Gewinn, auf die Ukraine 122 Millionen (jeweils nach Steuern). Das Gesamtergebnis belief sich auf 1,34 Milliarden Euro.

Für große Unsicherheit sorgen daher in Finanzkreisen die bevorstehenden Sanktionen. Und zwar nicht nur jene der EU, sondern auch der USA, sagt ein Branchen-Insider gegenüber der "Wiener Zeitung". Ein - noch nicht erfolgter - Ausschluss aus dem größten internationalen Finanztransaktionssystem Swift würde Russland weitgehend vom internationalen Finanzmarkt ausschließen und damit auch Bankentransaktionen von und nach Russland einschränken. Vorerst will aber vor allem die EU auf diesen Schritt verzichten, weil er zahlreiche EU-Banken hart treffen würde.

Ein weiterer großer Unsicherheitsfaktor sind die nächsten Sanktionsschritte der USA. Sollten die Staaten beschließen, alle in Russland tätigen Banken zu sanktionieren, oder gar auch deren Muttergesellschaften, hätte das sehr harte Konsequenzen für europäische Banken. "Internationale Banken, die von den USA aus den Dollar-Geschäften ausgeschlossen werden, wären in großen Schwierigkeiten", so der Insider. Das Wort "Bankenrettungspaket" will derzeit dennoch niemand in den Mund nehmen, weder aus der Politik, noch aus der Finanzwirtschaft. Zu fragil und dynamisch ist die Lage derzeit.(del)