Leoben. "Eisen auf immerda", versprach der Sage zufolge ein Wassermann den Bewohnern der obersteirischen Stadt Eisenerz. Doch die Montanuniversität Leoben, im 19. Jahrhundert gegründet, um den technologischen Fortschritt im österreichischen Bergbau voranzutreiben, kann sich nicht auf ihrem ursprünglichen Kernbereich ausruhen.

Wie Rektor Wilfried Eichlseder auf einer Pressekonferenz am Mittwoch betonte, habe die Uni immer wieder neue Wege eingeschlagen, um den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden. "Immer weiter weg vom Erzberg, hin zu mehr Umweltschutz", so Eichlseder. Schon in den letzten Jahrzehnten hätten Themen wie das Recycling von Rohstoffen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft an Relevanz gewonnen, nun möchte die Uni einen Schritt weiter gehen. Ab Herbst 2022 will also die Universität, bekannt auch für Studienrichtungen wie Erdölwesen, ganz auf Nachhaltigkeit setzen.

Sämtliche Studiengänge werden in drei Kompetenzbereichen zu den Themen nachhaltige Entwicklung und Produktion ("Sustainable Processing"), innovative Materialien ("Smart Materials") und hochentwickelte Wertstoffe ("Advanced Resources" zusammengefasst. Der Wechsel zwischen Studienrichtungen innerhalb eines Kompetenzfeldes soll möglichst unkompliziert sein.

Mit "Circular Engineering" und "Responsible Consumption and Production" starten mit Herbst 2022 zwei neue Studiengänge, die durchgehend auf Englisch unterrichtet werden. Dadurch sollen auch mehr internationale Studierende in die Obersteiermark gelockt werden.

Der Studiengang "Responsible Consumption and Production", also verantwortungsvoller Konsum und Produktion, orientiert sich am gleichnamigen Entwicklungsziel der Vereinten Nationen.

Studiengang in Kooperation mit Partneruniversitäten

Es handelt sich dabei um ein interdisziplinäres Studium, das die Montanuni gemeinsam mit sieben Partneruniversitäten im Ausland betreiben wird. In Leoben sollen dabei unter anderem Grundlagen im Ingenieurswesen sowie der Bereich der verantwortungsvollen Produktion vermittelt werden. Ein zweiter Teil des Studiums wird an einer der Partnerhochschulen absolviert und behandelt je nach gewähltem Schwerpunkt soziale, wirtschaftliche, ökonomische oder juristische Aspekte rund um das Thema nachhaltiger Konsum.

Das Studium "Circular Engineering" (Kreislauftechnik) findet hingegen durchgehend in Leoben statt. Kernthema ist die ganzheitliche Betrachtung des gesamten Stoffflusses von der Rohstoffgewinnung bis hin zum Recycling. Ziel ist es, Ressourcenproduktion und Materialflussysteme effizienter zu gestalten, um deren ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Auch hier orientiert sich die Universität an den nachhaltigen Entwicklungszielen der UN.

Bestehende Lehrpläne wurden ebenso überarbeitet, etwa soll im Bachelor der Studiengang Erdölwesen mit Kenntnissen zur Gewinnung von Erdwärme kombiniert werden, erst im Master soll eine Spezialisierung erfolgen.

Ziel sei es laut Rektor Eichlseder jedenfalls, mehr Studierende für den "Mint" Bereich - also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - zu gewinnen. Und vor allem für ein Studium an der Montanuniversität Leoben. Geht es nach Eichlseder, soll sich die Anzahl der Studierenden von rund 3.300 im Studienjahr 2021/22 in den nächsten zehn Jahren auf 7.000 verdoppeln. Bedarf in der Wirtschaft nach Absolventen der alten und neuen Studiengänge gebe es jedenfalls ausreichend. Ob man das ambitionierte Ziel erreichen werde, sei unklar. "Wir hoffen aber auf eine deutliche Steigerung", so Eichlseder. Auch der Anteil weiblicher Studierender soll dabei erhöht werden, im auslaufenden Studienjahr waren rund ein Drittel der Studienanfänger Frauen.(vis)