Die US-Notenbank Fed hat es vorgemacht, die Europäische Zentralbank (EZB) hat nachgezogen und den Leitzins heuer schrittweise angehoben. Das ist eine schlechte Nachricht für Kreditnehmer, denn sie müssen sich auf höhere Zinsen einstellen - die Sparer aber auch. Das ist an sich erfreulich, aber die Saure-Gurken-Zeit ist damit angesichts der hohen Inflation noch lange nicht vorbei. Im September sind die Verbraucherpreise in Österreich laut Schnellschätzung der Statistik Austria im Jahresabstand um 10,5 Prozent gestiegen - der höchste Wert seit Juli 1952.

Die ohnehin kaum wahrnehmbaren nominellen Sparzinsen wurden in den vergangenen Jahren regelmäßig von der Inflation aufgefressen, das Geld der Sparer wurde immer weniger wert. Betrachtet man etwa den Zinssatz für täglich fällige Spareinlagen, gab es zuletzt im Jahr 2009 positive Realzinsen (siehe Grafik).

Dass man mit einem Sparbuch nicht reich wird, ist kein großes Geheimnis. Dennoch bunkern die Österreicherinnen und Österreicher unverdrossen Milliarden auf Sparkonten und nehmen hohe Zinsverluste in Kauf. Im Juli dieses Jahres parkten die privaten Haushalte nach Angaben der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) bei den heimischen Banken rund 296 Milliarden Euro. Davon waren rund 77 Milliarden Euro täglich fällige Spareinlagen. Verzinsung nach Abzug der Inflation: minus 9,319 Prozent.

Negative Realzinsen gab es in Österreich immer wieder, jedoch noch nie in einem derartigen Ausmaß wie jetzt. Ein auffälliger Ausreißer nach unten wurde in der ersten Ölpreiskrise 1974 registriert. Im Juni dieses Jahres lag der Realzins auf täglich fällige Spareinlagen bei minus 6,2 Prozent. Im Jänner 1987 gab es nach Abzug der Inflation von 0,5 Prozent immerhin plus 3 Prozent.

"Das Sparbuch dient vor allem als eiserne Reserve, um auf nicht vorhersehbare Situationen finanziell vorbereitet zu sein", heißt es aus der Raiffeisenlandesbank (RLB) Oberösterreich. Die Kundinnen und Kunden des Instituts haben durchschnittlich rund 8.700 Euro auf täglich fälligen Sparbüchern veranlagt. Der Zinssatz beträgt 0,01 Prozent. Das ist auch in etwa der Wert, der im Konditionenaushang der meisten großen Banken steht. Bei gebundenen Einlagen gibt es etwas mehr. Auch bei den Online-Banken war immer schon mehr zu holen. Jetzt kommt auch wieder Bewegung in den Markt. So hat die Santander Consumer Bank zuletzt den Standardzinssatz für täglich verfügbare Spareinlagen von 0,125 auf 0,4 Prozent angehoben.

Bei der Bank Austria heißt es: "Bei bestehenden Sparprodukten erfolgen allfällige Zinsanpassungen gemäß den vertraglich vereinbarten Indikatoren quartalsweise, darüber hinaus werden wir im Spar-Neugeschäft weiterhin den Markt beobachten."

Auch die Erste Bank beobachtet den Markt und wird die Konditionen für ihre Sparprodukte gegebenenfalls anpassen. Und es wird betont: "Auch wenn es bald wieder höhere Zinsen auf Spareinlagen geben sollte, verliert Erspartes an Kaufkraft, solange die Inflation über den Zinsen liegt. Daher empfehlen wir alternative Formen der Veranlagung. Eine positive Realverzinsung wird es jedenfalls noch lange nicht geben, da sich an der Preisfront keine Entspannung abzeichnet.

Keine Negativzinsen mehr

Während hierzulande bei privaten Spareinlagen kraft eines Höchstgerichts-Urteils aus dem Jahr 2009 Negativzinsen nicht erlaubt sind, haben Banken in der Vergangenheit die Strafzinsen der EZB - Negativzinsen auf Gelder, die sie bei der EZB parken - an große Kunden weiterverrechnet. Nun ist wieder Schluss damit. Die Bank Austria erhebt die mit institutionellen Kunden, Kunden des öffentlichen Sektors und Firmenkunden in der Vergangenheit individuell vereinbarte Verwahrgebühr für große Guthaben seit dem Sommer nicht mehr, heißt es aus dem Institut. Auch die Erste Bank verrechnet die Gebühr, die bei ihr ab einer Freibetragsgrenze von 100.000 Euro eingehoben wurde, seit 1. August nicht mehr.

Die EZB hat zuletzt am 8. September 2022 eine Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent beschlossen. Zuvor - im Juli - hatte es eine Anhebung von 0,0 auf 0,5 Prozent gegeben. Damit war auch der Negativzins von minus 0,50 Prozent für geparkte Gelder von Geschäftsbanken entfallen. Ökonomen rechnen heuer noch mit zwei Zinserhöhungen der EZB.