Wien. Österreich hat seine Abhängigkeit von russischem Gas enorm reduziert. Kam im Februar noch knapp 80 Prozent des Erdgases aus Russland, so sind es jetzt nur mehr 21 Prozent. Ein Großteil des Gases wird aus Norwegen geliefert. Das ist die erste gute Nachricht. Die Zweite ist, dass der Gasverbrauch im Oktober knapp 20 Prozent unter dem langjährigen Mittel lag (2014-2021).

Das Gas fließt weiter, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bleibt. Der einzige Weg heraus ist die Energiewende. Doch die Ziele der Regierung sind ambitioniert. 27 Terrawattstunden (TWh) müssen zugebaut werden, damit sich das Land 2030 bilanziell zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgen kann. Zur Veranschaulichung: Das Donaukraftwerk Freudenau produziert 1 TWh Strom pro Jahr. Und das ist nur der erste Schritt. 2040 will Österreich klimaneutral sein.

Allein bei Photovoltaik ist das Ausbauziel gigantisch: Das sechsfache der derzeit errichteten Leistung muss bis 2030 hinzukommen.

Die Hürden für die Transformation des Energiesystems sind vielfältig. Von Milliardeninvestitionen über den Ausbau des Stromnetzes bis hin zur gesellschaftlichen Akzeptanz. Größte Bremse für den Ausbau der Erneuerbaren ist allerdings die Bürokratie. Laut einer noch laufenden EU-Studie ("RES-Simplify") machen Verwaltungs- und Netzprobleme fast die Hälfte der Hindernisse für die Umsetzung neuer Ökostrom-Projekte in der EU aus. In der Studie wird auch versucht, Gebiete in der EU auszuweisen, wo ein Ausbau schneller möglich ist.

Zugleich braucht Österreich aber auch ausreichend qualifizierte Fachkräfte für die Errichtung und Installation von Photovoltaik-Anlagen. Der Lehrabschluss ist als Bildungsabschluss für diesen Beruf zentral. Doch die Statistik verheißt nichts Gutes für die Zukunft. In der Lehrberufsgruppe "Elektrotechnik/Elektronik"ging die Zahl der Lehrlinge von 2010 auf 2020 um 23 Prozent zurück.

Laut dem Fachkräfteradar der Wirtschaftskammer vom vergangenen Jahr sind Elektroinstallateure schon jetzt rar. In Niederösterreich kommen etwa auf über 2100 offene Stellen in diesem Bereich nur knapp über 1000 Arbeitslose. "Der Mangel ist schon bei der jetzigen Auftragslage spürbar", sagt Elisabeth Laa vom Institut für Höhere Studien (IHS) bei einem Pressegespräch. Dazu kommen Probleme mit Lieferengpässen für die Materialbeschaffung.

Ökotechnik für Export

Volkswirtschaftlich rechnet sich der Ausbau von erneuerbarer Energie allemal. Laut Berechnungen des IHS wird im Betrieb der erneuerbaren Energieträger deutlich mehr heimische Wertschöpfung in Österreich gehalten als bei den fossilen Energieträgern. Der Ausbau von Forschungs- und Entwicklungsleistungen sowie der Produktion von Anlagenteilen in Österreich würde nachhaltig Wertschöpfung und Jobs in Österreich sichern. Doch nicht nur das. Da Österreich stark von Exporten abhängig ist, könnten auch Know-how und Produkte aus der Energiewende exportiert werden. Vor allem die Batterie- und Speicherproduktion und die Erzeugung von Wechselrichtern für Photovoltaik-Anlagen wäre laut IHS ausbaubar.