Die Zukunft gehört dem Weltraum. Klingt nach Raumschiff Enterprise, Star Wars, wie der erste Satz in einem Science-Fiction-Roman. Doch der Satz ist in der Realität angekommen. Erdbeobachtung und Früherkennung von Naturkatastrophen, GPS, um am schnellsten Weg von A nach B zu kommen sowie Weltraum als militärisches Einsatzgebiet wie aktuell im Ukraine-Krieg zeigen die rasch steigende Bedeutung.

Am Dienstag und Mittwoch traf sich die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) mit den zuständigen europäischen Ministerinnen und Ministern in Paris. Sie einigten sich auf die Erhöhung des Budgets um 17 Prozent, von 14,5 Milliarden Euro auf 16,9 Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre.

Für Österreich war Klimaschutzministerin Leonore Gewessler vor Ort - sie ist auch für den Weltraum zuständig. Das Ergebnis: Österreich wird seinen Beitrag um rund ein Viertel auf insgesamt 231 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre anheben. 116 Millionen Euro entfallen davon auf die Pflichtprogramme. 115 Millionen Euro stellt Österreich für die Wahlprogramme der ESA zur Verfügung.

"Jeder Euro, den wir in die ESA investieren ist sehr gut angelegt", sagt Gewessler. "Wir haben in Österreich hochspezialisierte und innovative Unternehmen, die mit ihren Technologien wichtige Aufträge der ESA umsetzen und wesentliche Beiträge zu den ESA Missionen leisten."

Die inhaltlichen Schwerpunkte des österreichischen ESA Beitrags würden in den Bereichen Erdbeobachtung sowie Sicherheit und Kommunikation liegen.

Das Budget der ESA setzt sich aus den Beiträgen der 22 Mitgliedsstaaten zusammen, die in dreijährigen Finanzierungsperioden vereinbart werden. Der Beitrag für die Pflichtprogramme ist nach einem BIP-Schlüssel festgesetzt. Bei den Wahlprogrammen können die Länder die Finanzierungshöhe und die Schwerpunkte frei wählen. Sie setzen strategische Schwerpunkte, beteiligen sich an Satellitenprojekten, Umweltmissionen und Trägerraketen. Sie müssen dafür aber auch in entsprechender Höhe einzahlen.

"Österreichs Beitrag ist kein Sprung nach vorne."

Österreichs Beitrag für die Wahlprogramme sank zuletzt von 113 Millionen Euro (2017 bis 2019) auf nur noch 92 Millionen Euro (2020 bis 2022). Nun wurde er auf 115 Millionen Euro erhöht.

Für Dieter Grebner, Präsident von Austrospace, Dachorganisation aller Raumfahrtfirmen in Österreich, hat sich jedoch nicht viel geändert: "Wenn man die Inflation mitberechnet, ist der Beitrag Österreichs nicht gestiegen", sagt er. "Wir liegen im Ranking aller Mitglieder weiterhin ganz unten, es ist daher kein Sprung vorwärts." Positiv sei jedoch, dass sich alle Parteien bei den Budgetverhandlungen im Nationalrat für eine ESA-Erhöhung stark machten. Grebner hofft nun auf das nächste nationale Budget, das im Herbst 2023 beschlossen wird. "Da könnte Österreich noch einmal nachzeichnen."

Die heimische Industrie forderte zuletzt einen nationalen Beitrag von 200 Millionen Euro für die Wahlprogramme. Dieser Forderung schließt sich der Präsident von Austrospace an. "Die Raumfahrtindustrie floriert", sagt Grebner. "Schauen wir doch, dass neue Unternehmen entstehen. Stattdessen lässt Österreich diese Chancen komplett liegen."

Weiters wurden auch die sechs künftigen Raumfahrer bekannt gegeben, sie sind für Aufenthalte in der Internationalen Raumstation ISS vorgesehen. Die Raumfahrer wurden aus etwa 22.000 Bewerbern ausgewählt, davon 466 Österreicherinnen und Österreicher. In die zweite Runde schafften es nach ESA-Angaben je 13 Frauen und Männer. Die Astronauten erhalten eine Festanstellung.

20 weitere Kandidaten bilden die Reserve, darunter die 1988 in Klagenfurt geborene österreichische Medizinerin Carmen Possnig. Sie hat damit die Chance, als erste Österreicherin ins Weltall zu fliegen. 1991 absolvierte mit Franz Viehböck der bisher einzige Österreicher einen All-Aufenthalt im Rahmen der damaligen "Austromir"-Mission.

Die ESA wurde 1975 als zwischenstaatliche Organisation gegründet. Sie widmet sich der friedlichen Erkundung des Alls. Österreich ist seit 1987 mit an Bord. Mit dem Tiroler Josef Aschbacher wird die Raumfahrtagentur seit Mitte 2021 erstmals von einem Österreicher geleitet.