Lebensmittel, Strom, Gas, Benzin, Mieten: Es gibt kaum etwas, das sich im vergangenen Jahr nicht eklatant verteuert hat. Mitte Jänner wird genau feststehen, um wieviel die Verbraucherpreise im Gesamtjahr 2022 gestiegen sind. Die Ökonomen des Instituts für höhere Studien (IHS) und des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) gehen von 8,5 Prozent aus, nach 2,8 Prozent im Jahr davor.

Den Arbeitnehmern blieb von den im Herbst 2021 von den Gewerkschaften erstrittenen Lohnerhöhungen nichts übrig. Im Gegenteil: Es gab heuer deutliche Reallohn- und somit Kaufkraftverluste. Denn bei den Verhandlungen über neue Kollektivverträge wird üblicherweise die durchschnittliche Inflation der vergangenen zwölf Monate als Maßstab angesetzt, und die war in der Herbstlohnrunde 2021 relativ niedrig.

Lohnplus auf Basis der Inflation der Vergangenheit

Die Beschäftigten in der Metalltechnischen Industrie erhielten ab November 2021 drei Prozent mehr Lohn und Gehalt auf ihren Kollektivvertrag (KV), die Ist-Löhne stiegen um 3,55 Prozent brutto. Im Handel wurden die Gehälter ab 1. Jänner 2022 um 2,55 Prozent angehoben, das Einstiegsgehalt wurde um 3,45 Prozent auf 1.800 Euro brutto erhöht. Die rückwirkende Inflationsrate hatte unter 3 Prozent gelegen.

Für das kommende Jahr prognostizieren Österreichs Ökonomen einen Rückgang der Teuerung. Das Wifo geht von 6,5 Prozent aus, das IHS von 6,7 Prozent. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, bedeutet das Reallohnzuwächse, denn in der vergangenen Lohnrunde lagen die Kollektivvertragsabschlüsse zwischen 7,3 und 9,3 Prozent. "Die Gewerkschaften haben ihren Job gut gemacht", sagte Wifo-Chef Gabriel Felbermayr bei der Präsentation der Winterprognose im Dezember.

Für die Beschäftigten im Handel erkämpfte die Gewerkschaft GPA ein durchschnittliches Gehaltsplus von rund 7,3 Prozent. Das Einstiegsgehalt liegt seit Jahresbeginn bei 1.945 Euro brutto. Mit den Arbeitgebern der Metallindustrie einigten sich GPA und Pro-GE in der vierten Verhandlungsrunde auf eine Erhöhung der Ist-Löhne um durchschnittlich 7,44 Prozent. Basis war eine rollierende Inflationsrate von 6,4 Prozent. Nach fünf ergebnislosen Verhandlungsrunden und einem bundesweiten Warnstreik kam es Mitte Dezember auch zu einer Einigung bei den Eisenbahnern. Ihre Gehälter steigen durchschnittlich um 8,9 Prozent. Das höchste Plus gibt es bei Beschäftigten in Lichtspieltheatern mit 9,3 Prozent, bei ihnen stiegen auch die Zulagen. Die Gruppe ist zahlenmäßig jedoch überschaubar.

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Die ordentlichen Lohnerhöhungen, aber auch die Auswirkungen der ökosozialen Steuerreform und die Abschaffung der kalten Progression machen Wifo-Chef Gabriel Felbermayr zuversichtlich, dass die Konjunktur wieder anspringt. Für heuer rechnet das Wifo mit einem Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent, nach 4,7 Prozent im Vorjahr. 2024 dürfte das BIP laut Wifo um 1,8 Prozent steigen.